JÄGER Busi­ness Blog

6 Tipps für mehr Lie­fer­si­cher­heit:

So machen Sie Ihre Res­sour­cen­be­schaf­fung krisenfest

26.01.2022   |   Han­nes Bolting

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Die momen­ta­ne Roh­stoff­knapp­heit hat vie­le Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­men kalt erwischt. Eine ver­gleich­ba­re Kri­se gab es bis­her noch nie, daher war kaum eine Orga­ni­sa­ti­on dar­auf vor­be­rei­tet. Den Kopf in den Sand zu ste­cken bringt jedoch nichts. Beschaffungsexpert:innen soll­ten die aktu­el­le Situa­ti­on als Weck­ruf betrach­ten und ihre Lie­fer­si­cher­heit für die Zukunft erhö­hen. Dabei hel­fen Ihnen die fol­gen­den sechs Tipps für eine kri­sen­fes­te­re Res­sour­cen­be­schaf­fung.

1. Fle­xi­ble­re Mate­ri­al­aus­wahl in der Kon­struk­ti­on gestatten

In eini­gen Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­men ist die Kon­struk­ti­on bei der Mate­ri­al­aus­wahl ein­ge­schränkt. Sie hat nur eine gerin­ge Anzahl frei­ge­ge­be­ner Werk­stof­fe zur Ver­fü­gung, die oft sehr spe­zi­fisch sind. Meist han­delt es sich um kon­kre­te Arti­kel ein­zel­ner Her­stel­ler mit indi­vi­du­el­lem Pro­dukt­code. Die­ses Vor­ge­hen ist im Nor­mal­fall sehr effi­zi­ent, denn es mini­miert die not­wen­di­gen Frei­ga­be­pro­zes­se. Sind die Mate­ria­li­en ein­mal geneh­migt, kann die Kon­struk­ti­on sie immer wie­der ver­bau­en, ohne Rück­spra­che hal­ten zu müs­sen. Zudem kann die Beschaf­fung Ska­len­ef­fek­te rea­li­sie­ren, indem sie grö­ße­re Men­gen spe­zi­fi­scher Pro­duk­te einkauft.

In Kri­sen­zei­ten wird die­ser Man­gel an Fle­xi­bi­li­tät jedoch zu einem gra­vie­ren­den Nach­teil. Ist ein frei­ge­ge­be­ner Werk­stoff nicht ver­füg­bar, kann die Kon­struk­ti­on nicht ein­fach auf einen Gleich­wer­ti­gen aus­wei­chen. Statt­des­sen muss sie eine neue Frei­ga­be bean­tra­gen, was zu Ver­zö­ge­run­gen führt.

Um die­ses Pro­blem zu ver­mei­den, soll­ten Sie Ihren Konstrukteur:innen mög­lichst viel Spiel­raum bei der Mate­ri­al­aus­wahl las­sen. Sei­en Sie so all­ge­mein wie mög­lich und so kon­kret wie nötig. Schlie­ßen Sie kei­ne Mög­lich­kei­ten aus, auf die Sie im Kri­sen­fall zurück­grei­fen können.

2. Red­un­dan­zen im Lie­fe­ran­ten­netz­werk schaffen

Ein schlan­kes Zulie­fer­er­netz­werk hat mit Sicher­heit Vor­tei­le. Es ist ein­fach zu pfle­gen und ermög­licht enge­re Bezie­hun­gen zu Lie­fe­ran­ten, was sich in mehr Trans­pa­renz und Vor­tei­len bei Preis­ver­hand­lun­gen wider­spie­gelt. Es birgt aller­dings auch Risi­ken, ins­be­son­de­re in Extremfällen.

Hat ein Unter­neh­men bei­spiels­wei­se nur einen Zulie­fe­rer für jedes Mate­ri­al, schafft es sich damit eine Rei­he von Sin­gle Points of Fail­u­re. Kann der Anbie­ter nicht lie­fern, gerät die Mate­ri­al­ver­sor­gung ins Sto­cken. Die Fol­ge sind Ver­zö­ge­run­gen in der Produktion.

Ach­ten Sie bes­ser dar­auf, Red­un­dan­zen in Ihrem Lie­fe­ran­ten­netz­werk vor­zu­hal­ten. Für jeden Werk­stoff soll­ten Sie min­des­tens einen Second-Source-Anbie­ter an der Hand haben, um im Not­fall wech­seln zu kön­nen. Alter­na­tiv kön­nen Sie auch Anbie­ter aus­wäh­len, die selbst über ein robus­tes Lie­fe­ran­ten­netz­werk ver­fü­gen und bei Lie­fer­schwie­rig­kei­ten einen Part­ner hin­zu­zie­hen können.

3. Fore­cast stärken

Infor­ma­tio­nen über den zu erwar­ten­den Mate­ri­al­be­darf sind eine wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für eine robus­te Res­sour­cen­be­schaf­fung. Je trans­pa­ren­ter Sie Ihre Absatz­pla­nung gestal­ten, des­to leich­ter fällt es ihnen, ent­spre­chen­de Men­gen bei Ihren Lie­fe­ran­ten zu bestellen.

Beden­ken Sie auch, dass Ihre Zulie­fe­rer Teil einer grö­ße­ren Lie­fer­ket­te sind und selbst Res­sour­cen beschaf­fen müs­sen, um Ihre Auf­trä­ge zu bedie­nen. Wenn Sie mög­lichst früh bestel­len und Ihre Anga­ben prä­zi­se for­mu­lie­ren, kön­nen Sie das Risi­ko für Stö­run­gen oder Feh­ler erheb­lich reduzieren.

Trans­pa­renz hin­sicht­lich des Res­sour­cen­be­darfs gewin­nen Sie, indem Sie Ihren Fore­cast stär­ken. Schaf­fen Sie früh­zei­tig die dafür nöti­gen Pro­zes­se und inves­tie­ren Sie in Soft­ware und Per­so­nal. Damit machen Sie sich und Ihren Lie­fe­ran­ten das Leben leichter.

Team­be­spre­chung

4. Ver­stärkt auf loka­le Lie­fe­ran­ten setzen

Im Rah­men der Glo­ba­li­sie­rung ist es in den meis­ten Bran­chen üblich, Res­sour­cen vor­wie­gend von inter­na­tio­na­len Anbie­tern zu bezie­hen. Grund für die­se Beschaf­fungs­stra­te­gie ist der Preis­vor­teil, den Anbie­ter aus Nied­rig­lohn­län­dern gegen­über dem loka­len Wett­be­werb haben. Doch der Preis ist nicht alles. Waren und Roh­stof­fe um die hal­be Welt zu trans­por­tie­ren birgt ein hohes Risi­ko für Stö­run­gen, schon allei­ne auf­grund der zurück­ge­leg­ten Stre­cke. Lie­fe­run­gen pas­sie­ren auf dem Weg von Süd­ost­asi­en nach Euro­pa zahl­rei­che Umschlag­plät­ze und Eng­stel­len, die alle ein gewis­ses Poten­zi­al für Ver­zö­ge­run­gen bie­ten. Ein Bei­spiel hier­für ist die Blo­cka­de des Suez­ka­nals im März 2021, die einen signi­fi­kan­ten Teil des glo­ba­len Waren­ver­kehrs beein­träch­tigt hat.

Statt Ihren gesam­ten Res­sour­cen­be­darf über glo­ba­le Anbie­ter zu decken, soll­ten Sie ver­stärkt loka­le Zulie­fe­rer in Ihr Netz­werk auf­neh­men. Die­se zeich­nen sich durch kur­ze Trans­port- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge aus, sodass ein gerin­ge­res Poten­zi­al für Stö­run­gen besteht und Pro­ble­me schnel­ler aus der Welt geschafft wer­den können.

5. Eine aus­sa­ge­kräf­ti­ge Lie­fe­ran­ten­da­ten­bank aufbauen

Beschaf­fung ist kein iso­lier­ter Pro­zess, der sich nur auf das eige­ne Unter­neh­men bezieht. Jede Orga­ni­sa­ti­on ist Teil einer Lie­fer­ket­te, die sich von der Roh­stoff­för­de­rung bis hin zur Pro­duk­ti­on von Waren erstreckt. Jede Stö­rung ent­lang die­ser Ket­te wirkt sich auch auf die nach­fol­gen­den Schrit­te des Wert­schöp­fungs­pro­zes­ses aus. Daher soll­te eine robus­te Beschaf­fungs­stra­te­gie immer auch Lie­fe­ran­ten und Vor­lie­fe­ran­ten einbeziehen.

Hier­zu bedarf es einer soli­den Infor­ma­ti­ons­ba­sis. Sie soll­ten wis­sen, woher Ihre Zulie­fe­rer Res­sour­cen bezie­hen und wie deren Beschaf­fungs­pro­zes­se gestal­tet sind. Zu die­sem Zweck emp­fiehlt es sich, eine gut gepfleg­te Lie­fe­ran­ten­da­ten­bank anzu­le­gen, die alle wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen ent­hält. Solch eine Daten­bank gibt Ihnen die Mög­lich­keit, eine voll­stän­di­ge Risi­ko­ana­ly­se durch­zu­füh­ren, die Ihre gesam­te Lie­fer­ket­te einschließt.

6. Lager­stra­te­gie überdenken

Im Zuge des Just-in-Time-Ansat­zes sind vie­le Fer­ti­gungs­un­ter­neh­men dazu über­ge­gan­gen, ihre Lager­be­stän­de zu redu­zie­ren und statt­des­sen auf bedarfs­syn­chro­ne Waren­lie­fe­run­gen zu set­zen. Die­se Stra­te­gie ist hoch­gra­dig effi­zi­ent, denn sie macht die klas­si­sche Lager­hal­tung größ­ten­teils obso­let. Aller­dings ist sie auch sehr anfäl­lig für dis­rup­ti­ve Ereig­nis­se. Tritt eine Stö­rung oder Ver­zö­ge­rung in der Beschaf­fung auf, wirkt sich die­se unmit­tel­bar auf die Pro­duk­ti­ons­ab­läu­fe aus, da es kei­ne rele­van­ten Sicher­heits­puf­fer gibt.

Als vor­beu­gen­de Gegen­maß­nah­me ist es rat­sam, Lager­stra­te­gien zu über­den­ken und mehr Wert auf eine sta­bi­le Res­sour­cen­ver­sor­gung zu legen. Erhö­hen Sie Ihre Sicher­heits­be­stän­de, damit Ihre Pro­duk­ti­on Lie­fer­aus­fäl­le vor­über­ge­hend kom­pen­sie­ren kann. Auch eine Anpas­sung der Los­grö­ßen ist emp­feh­lens­wert. Sehen Sie davon ab, bedarfs­ge­rech­te Mate­ri­al­men­gen in kur­zen Abstän­den zu bestel­len. Die­se Stra­te­gie ist zu anfäl­lig für Stö­run­gen. Wenn mög­lich soll­ten Sie grö­ße­re Bestel­lun­gen täti­gen und einen Teil des Mate­ri­als einlagern.

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Fazit

Die vor­ge­stell­ten Maß­nah­men wir­ken zunächst kon­train­tui­tiv. Schließ­lich lau­fen sie den gän­gi­gen Best Prac­ti­ces des Sup­ply Chain Manage­ments zuwi­der: Preis­ori­en­tie­rung, Mini­mie­rung der Lager­kos­ten, Just-in-Time-Lie­fe­rung etc. Beach­ten Sie jedoch, dass die­se Best Prac­ti­ces Resul­tat eines fort­lau­fen­den Opti­mie­rungs­pro­zes­ses sind, der jahr­zehn­te­lang ohne grö­ße­re Stö­run­gen ablief. Das heu­ti­ge Sup­ply Chain Manage­ment ist dar­auf aus­ge­legt, unter opti­ma­len Bedin­gun­gen mög­lichst effi­zi­ent zu agie­ren. Tre­ten gra­vie­ren­de Stö­run­gen auf, fehlt jedoch die Wider­stands­fä­hig­keit, um ange­mes­sen zu reagieren.

Die Coro­na-Pan­de­mie hat gezeigt, wie wich­tig robus­te Beschaf­fungs­stra­te­gien sind. Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass ver­gleich­ba­re Kri­sen auch in Zukunft auf­tre­ten kön­nen. Ange­sichts des­sen lohnt es sich, gerin­ge Effi­zi­enz­ver­lus­te im Sup­ply Chain Manage­ment hin­zu­neh­men, um im Gegen­zug die Wider­stands­fä­hig­keit deut­lich zu stei­gern.

Mitarbeiter im Vertrieb Hannes Bolting

Autor: Han­nes Bolting

Han­nes Bol­ting ist seit 2018 bei Jäger im Ver­trieb tätig. Par­al­lel dazu absol­viert der gelern­te Indus­trie­kauf­mann ein Mas­ter­stu­di­um mit dem Schwer­punkt Sales Manage­ment an der FOM Hoch­schu­le für Öko­no­mie & Manage­ment in Hannover. 

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