JÄGER Busi­ness Blog

Fünf Din­ge,

die es bei Schlauch­lei­tun­gen zu beach­ten gilt

12.01.2022   |  Mar­cel Hit­ze­mann & Ste­ven Bouajila

Schlauchleitung mit blauen Streifen
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Schläu­che sind neben Roh­ren das Mit­tel der Wahl, wenn es dar­um geht, Flüs­sig­kei­ten, Fest­stof­fe oder Gase zu trans­por­tie­ren. Aller­dings macht sich kaum ein Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­men Gedan­ken über die­ses The­ma. Dabei gibt es eini­ge Opti­mie­rungs­po­ten­zia­le und Feh­ler­quel­len im Umgang mit Schlauch­lei­tun­gen, die Entscheider:innen ken­nen sollten.

Hier sind fünf Din­ge, die es zu beach­ten gilt.

1. Die Aus­wahl des pas­sen­den Schlau­ches hängt von den Ein­satz­be­din­gun­gen ab

Wie auch bei ande­ren Kunst­stoff- und Elas­to­mer-Pro­duk­ten ist der Ein­satz­be­reich einer Schlauch­kon­struk­ti­on ent­schei­dend. Für jede Situa­ti­on gibt es den pas­sen­den Schlauch. Wäh­len Unter­neh­men dage­gen das fal­sche Pro­dukt bzw. Mate­ri­al, ris­kie­ren sie Effi­zi­enz­ver­lus­te oder stei­gen­de War­tungs­kos­ten – und im schlimms­ten Fall Verletzungsgefahren.

Gene­rell gibt es vier wich­ti­ge Fra­gen, die Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­men bei der Wahl einer Schlauch­kon­struk­ti­on beant­wor­ten müssen:

Der Druck wirkt sich auf die Belas­tun­gen aus, denen die Schlauch­kon­struk­ti­on tag­täg­lich aus­ge­setzt ist. Je höher der Druck, des­to robus­ter muss der Schlauch sein. Zumal Kon­struk­tio­nen, die unter hohem Druck ste­hen, immer auch Ver­let­zungs­ri­si­ken bergen.

Das zu trans­por­tie­ren­de Medi­um beein­flusst in ers­ter Linie die Mate­ri­al­aus­wahl. Zum einen soll­ten Unter­neh­men dar­auf ach­ten, dass der Schlauch unter dem Ein­fluss des Medi­ums nicht ris­sig oder sprö­de wird. Dies kann zum Bei­spiel bei Kraft­stof­fen, Säu­ren oder abra­si­ven Werk­stof­fen wie Kies oder Sand pas­sie­ren. Das Schlauch­ma­te­ri­al soll­te daher ent­spre­chen­de Resis­ten­zen auf­wei­sen. Zum ande­ren ist gera­de im Lebens­mit­tel- oder Trink­was­ser­be­reich wich­tig, dass die Schlauch­lei­tung das Medi­um nicht ver­un­rei­nigt. Hier soll­ten Unter­neh­men dar­auf ach­ten, dass der Schlauch die in ihrer Bran­che übli­chen Zer­ti­fi­zie­run­gen aufweist.

Auch die Ein­satz­tem­pe­ra­tu­ren wir­ken sich auf die Lebens­dau­er einer Schlauch­kon­struk­ti­on aus. Gera­de Tem­pe­ra­tur­ex­tre­me oder star­ke Schwan­kun­gen kön­nen dafür sor­gen, dass ein Schlauch schnell brü­chig wird. Wich­tig sind hier vor allem die Tem­pe­ra­tur des zu trans­por­tie­ren­den Medi­ums sowie die Umge­bungs­tem­pe­ra­tu­ren der Maschi­ne oder Anla­ge, in der der Schlauch ver­baut ist.

Hin­zu kom­men umge­bungs­spe­zi­fi­sche Ein­satz­be­din­gun­gen, die auf eine Schlauch­kon­struk­ti­on belas­tend wir­ken kön­nen. Hier­zu zäh­len UV-Strah­lung und Ozon­ein­wir­kung, Wit­te­rungs­ein­flüs­se sowie sta­ti­sche oder mecha­ni­sche Belastungen.

2. Die Arma­tu­ren sind genau­so wich­tig wie der Schlauch

Wel­che Eigen­schaf­ten eine Schlauch­kon­struk­ti­on auf­weist, hängt nicht nur von den elas­to­me­ren Bestand­tei­len ab, son­dern auch von den Arma­tu­ren. Die­se Gege­ben­heit unter­schät­zen Unter­neh­men zum Teil. Sie ach­ten zwar dar­auf, dass der Schlauch alle Ein­satz­kri­te­ri­en erfüllt, über­se­hen aber die Metall­kom­po­nen­ten. Dies kann die gesam­te Kon­struk­ti­on beeinträchtigen.

Bei­spiels­wei­se müs­sen die Arma­tu­ren die glei­chen Resis­ten­zen gegen Säu­ren, Kraft­stof­fe oder abra­si­ve Mate­ria­li­en auf­wei­sen wie die elas­to­me­ren Bestand­tei­le, da sie iden­ti­schen Medi­en aus­ge­setzt sind. Wich­tig ist auch, auf Werk­stof­fe zu ach­ten, gegen die Gum­mi nativ resis­tent ist, Metall­kom­po­nen­ten jedoch nicht unbe­dingt (zum Bei­spiel Wasser).

Zwei Schlauchleitungen in rot und blau auf grauem Hintergrund.

 Schlauch­lei­tun­gen in rot und blau

Ins­be­son­de­re im Lebens­mit­tel- und Trink­was­ser­be­reich soll­ten Unter­neh­men dar­auf ach­ten, dass alle Bestand­tei­le der Schlauch­kon­struk­ti­on die bran­chen­üb­li­chen Zer­ti­fi­zie­run­gen auf­wei­sen. Andern­falls besteht die Gefahr, dass die Kon­struk­ti­on für das Ein­satz­sze­na­rio unbrauch­bar wird, etwa wenn Lebens­mit­tel durch gesund­heits­schäd­li­che Metal­le kon­ta­mi­niert werden.

3. Sicher­heit geht vor

Im indus­tri­el­len Kon­text beför­dern Schlauch­lei­tun­gen häu­fig gefähr­li­che Stof­fe. Daher haben Sicher­heits­aspek­te eine hohe Prio­ri­tät. Bei feh­ler­haf­tem Umgang mit Schläu­chen dro­hen nicht nur Maschi­nen­aus­fäl­le, son­dern auch Ver­let­zungs­ge­fahr.

Hoch­druck­schläu­che kön­nen zum Bei­spiel bers­ten oder aus den Arma­tu­ren rei­ßen und durch Peit­schen umste­hen­de Per­so­nen ver­let­zen. Auch klei­ne Ris­se oder Löcher ber­gen Gefah­ren, da Flüs­sig­kei­ten mit star­kem Druck aus­tre­ten und gesund­heits­schäd­li­che Stof­fe in die Haut inji­zie­ren können.

Die­se Risi­ken kön­nen Unter­neh­men durch die Wahl eines pas­sen­den Elas­to­mers mini­mie­ren. Wich­tig ist auch, die Schlauch­kon­struk­ti­on rich­tig zu mon­tie­ren, etwa durch die Beach­tung von Bie­ge­ra­di­en oder Tor­si­ons­ver­mei­dung. Im Zwei­fels­fall emp­fiehlt es sich, aus­reiß­si­che­re Arma­tu­ren zu verwenden.

Grafik von Einbausituationen einer Schlauchleitung

Ein­bau­si­tua­ti­on Schlauchleitung

Beson­de­re Auf­merk­sam­keit gilt Ein­satz­be­rei­chen, in denen Explo­si­ons­ge­fahr herrscht. Hier besteht das Risi­ko, dass sich die Schlauch­kon­struk­ti­on elek­tro­sta­tisch auf­lädt und ein Fun­ke die vola­ti­le Gas-Luft-Mischung ent­zün­det. Das Glei­che gilt für Berei­che, in denen Staub­ex­plo­sio­nen dro­hen (zum Bei­spiel bei der Ver­ar­bei­tung von Mehl oder Säge­spä­nen). Soll die Schlauch­kon­struk­ti­on in einer EX-Zone zum Ein­satz kom­men, muss sie daher elek­trisch leit­fä­hig und geer­det sein. Alle Bestand­tei­le der Kon­struk­ti­on soll­ten eine ATEX-Zer­ti­fi­zie­rung vor­wei­sen, sowohl der Schlauch als auch die Armaturen.

4. Schlauch­lei­tun­gen soll­te man nicht zu spät angehen

Wenn sich Kun­den wegen einer Schlauch­kon­struk­ti­on an einen Anbie­ter für Elas­to­mer-Pro­duk­te wen­den, sind ihre Vor­ga­ben oft­mals nicht pra­xis­ge­recht gestal­tet. Zum Teil sehen ihre Kon­struk­ti­ons­zeich­nun­gen Kon­fi­gu­ra­tio­nen vor, die in die­ser Form nicht umge­setzt wer­den kön­nen. Bei­spie­le hier­für sind zu gerin­ge Bie­ge­ra­di­en, nicht ein­ge­hal­te­ne Min­dest­län­gen oder man­geln­de Bewe­gungs­frei­heit des Schlauchs, was zu Abrieb führt. Kon­struk­ti­ons­feh­ler die­ser Art haben meist eine ver­rin­ger­te Lebens­dau­er der Schlauch­kon­struk­ti­on zur Folge.

Aus die­sem Grund ergibt es Sinn, früh­zei­tig den Kon­takt mit Materialexpert:innen zu suchen, die Erfah­rung mit Schläu­chen haben und ihr Fach­wis­sen zur Ver­fü­gung stel­len kön­nen. Es ist immer ein­fa­cher, ein Pro­dukt, eine Maschi­ne oder eine Anla­ge wäh­rend der Pla­nungs­pha­se anzu­pas­sen. Ist die Vor­pro­duk­ti­on erst ein­mal gestar­tet, stei­gen die Kos­ten einer Ände­rung hin­ge­gen deutlich.

5. Nicht zu viel und nicht zu wenig investieren

Bei der Aus­wahl einer Schlauch­kon­struk­ti­on (wie auch im Kunst­stoff- und Elas­to­mer-Bereich all­ge­mein) las­sen sich oft zwei Extre­me beob­ach­ten. Auf der einen Sei­te stel­len Unter­neh­men ger­ne den Preis in den Vor­der­grund und ent­schei­den sich stets für die güns­tigs­te Opti­on. Auf der ande­ren Sei­te den­ken sich man­che Entscheider:innen häu­fig „viel hilft viel“ und grei­fen vor­wie­gend zu Pre­mi­um­pro­duk­ten. Bei­de Ansät­ze sind kontraproduktiv.

Güns­ti­ge Schläu­che rea­li­sie­ren ihren nied­ri­gen Preis teils zulas­ten der Qua­li­tät. Sie haben eine gerin­ge­re Lebens­dau­er und müs­sen häu­fi­ger aus­ge­tauscht wer­den. Die stei­gen­den War­tungs­kos­ten rela­ti­vie­ren schnell den Ein­kaufs­preis, sodass der Schlauch auf lan­ge Sicht teu­rer ist.

Auch Pre­mi­um­pro­duk­te sind nicht immer die bes­te Wahl. Häu­fig set­zen Unter­neh­men auf Schlauch­lei­tun­gen, die ihre Anfor­de­run­gen weit über­tref­fen, was sich in den Kos­ten nie­der­schlägt. Zugleich bie­ten die bes­se­ren Eigen­schaf­ten nicht unbe­dingt einen rea­len Mehr­wert. Bei­spiels­wei­se hat ein Schlauch, der 15 Bar aus­hält, kei­nen Vor­teil gegen­über einem Schlauch, der 10 Bar ver­trägt, wenn das Unter­neh­men Stof­fe ledig­lich mit 8 Bar hin­durch­pum­pen will.

Für jeden Anwen­dungs­fall gibt es den pas­sen­den Schlauch. Der bes­te Weg ist, ein Pro­dukt zu wäh­len, das die spe­zi­fi­schen Anfor­de­run­gen erfüllt, aber nicht all­zu weit dar­über hinausgeht.

Fazit

Uni­ver­sal anwend­ba­re Schlauch­lei­tun­gen gibt es lei­der nicht. Wel­ches Pro­dukt zum Ein­satz kom­men soll­te, hängt immer vom Kon­text ab. Jedes Unter­neh­men hat indi­vi­du­el­le Anfor­de­run­gen an eine Schlauch­kon­struk­ti­on, die finan­zi­el­le, tech­ni­sche, pro­zess­be­zo­ge­ne oder sicher­heits­re­le­van­te Aspek­te beinhal­ten. Es lohnt sich daher, dem The­ma die Auf­merk­sam­keit zu schen­ken, die ihm gebührt.

White­pa­per:
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Vertrieb Marcel Hitzemann

Autor: Mar­cel Hitzemann

Mar­cel Hit­ze­mann ist seit sei­ner Aus­bil­dung 2012 bei Jäger tätig. Der Ver­triebs­in­nen­dienst­ler beant­wor­tet Kun­den alle Fra­gen rund um Schläu­che und Armaturen. 
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Autor: Ste­ven Bouajila

Ste­ven Boua­ji­la ist seit 2011 als Maschi­nen­bau­tech­ni­ker bei Jäger tätig. Aktu­ell betreut er im Außen­dienst den Bereich Schlauch und Armaturentechnik.

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