JÄGER Busi­ness Blog

Gum­mi & Kunst­stoff – Güns­tig ist nicht immer sinnvoll

16.02.2022   | Tim Eltze

Ein Geschäftsmann am Laptop bei der Arbeit.
Fließband für Personalcomputer, Herstellungsprozess.

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Preis­fo­kus­sier­te Ein­kaufs­stra­te­gien sind ein zwei­schnei­di­ges Schwert. Einer­seits ist es wich­tig, Beschaf­fungs­kos­ten zu mini­mie­ren, um die Orga­ni­sa­ti­on mög­lichst pro­fi­ta­bel zu hal­ten. Ande­rer­seits ist der Preis sel­ten der ein­zi­ge rele­van­te Fak­tor. Unter­neh­men, die Kom­po­nen­ten aus Gum­mi und Kunst­stoff mög­lichst güns­tig beschaf­fen möch­ten, neh­men bei­spiels­wei­se immer auch Abstri­che an ande­rer Stel­le in Kauf, egal ob bewusst oder unbewusst.

Ob sich der gerin­ge­re Ein­kaufs­preis ange­sichts die­ser Abstri­che lohnt, hängt vom Kon­text ab. Die Her­aus­for­de­rung besteht dar­in, zu ent­schei­den, wann der Ein­kauf mit Bil­lig­an­bie­tern zusam­men­ar­bei­ten soll­te und wann nicht.

Wie kom­men Bil­lig­prei­se für Gum­mi und Kunst­stoff zustande?

Ein Grund­prin­zip der Betriebs­wirt­schafts­leh­re lau­tet: Der Preis eines Pro­dukts muss lang­fris­tig betrach­tet die Stück­kos­ten über­stei­gen, damit es pro­fi­ta­bel ist. Bie­tet ein Lie­fe­rant Waren zu einem gerin­ge­ren Preis als die Kon­kur­renz an, bedeu­tet dies, dass auch sei­ne Kos­ten ent­spre­chend nied­ri­ger sind. Kun­den müs­sen dem­zu­fol­ge an ande­re Stel­le Abstri­che machen, sei es bei der Qua­li­tät oder beim Leistungsumfang.

In der Gum­mi- und Kunst­stoff­in­dus­trie sind mit Qua­li­tät die Mate­ri­al­ei­gen­schaf­ten gemeint. Ein qua­li­ta­tiv gerin­ge­rer Werk­stoff hat zum Bei­spiel eine kür­ze­re Lebens­dau­er, weist opti­sche Feh­ler auf oder hat weni­ger che­mi­sche Bestän­dig­kei­ten als Hoch­preis­ma­te­ria­li­en. In man­chen Fäl­len ist dies das Resul­tat gerin­ge­rer Qua­li­täts­stan­dards, zum Bei­spiel bei Anbie­tern aus bestimm­ten Nied­rig­lohn­län­dern. In der Regel ist der Qua­li­täts­un­ter­schied jedoch gewollt. Der Lie­fe­rant bedient auf die­se Wei­se einen Mate­ri­al­be­darf für Ein­satz­ge­bie­te, in denen Pre­mi­um­pro­duk­te einen zu ver­nach­läs­si­gen­den Mehr­wert haben.

Dar­über hin­aus müs­sen Kun­den im Nied­rig­preis­sek­tor Abstri­che beim Leis­tungs­um­fang machen. Gum­mi- und Kunst­stoff­kom­po­nen­ten von Bil­lig­an­bie­tern sind in der Regel stan­dar­di­siert und nur in gerin­gem Maße indi­vi­dua­li­sier­bar. Zudem bie­ten die­se Lie­fe­ran­ten ihren Kun­den kei­ne Bera­tungs­leis­tun­gen an. Sie assis­tie­ren nicht bei der Mate­ri­al­aus­wahl und geben kei­nen Input für die Pro­dukt­ent­wick­lung. Oft haben sie ledig­lich ein begrenz­tes Port­fo­lio, das „wie abge­bil­det“ bestellt wer­den kann.

Auch bei den Lie­fer­kon­di­tio­nen gibt es Ein­schrän­kun­gen. Wo ande­re Lie­fe­ran­ten ihren Kun­den ent­ge­gen­kom­men, sind Bil­lig­an­bie­ter rela­tiv unfle­xi­bel. Oft lie­fern sie Waren nur in Form von Ein­zel­be­stel­lun­gen. Sie bie­ten weder bedarfs­ge­rech­te Teil­lie­fe­run­gen noch Rah­men­ver­trä­ge oder Just-in-time-Konzepte.

Bera­tungs­ge­spräch zur Kon­zep­ti­on tech­ni­scher Bauteile

Wann soll­te man Gum­mi und Kunst­stoff güns­tig ein­kau­fen (und wann nicht)?

Bil­lig­an­bie­ter für Gum­mi und Kunst­stoff mögen ihre Schwä­chen haben, trotz­dem beset­zen sie eine wich­ti­ge Nische. Situa­ti­ons­be­dingt ergibt es durch­aus Sinn, Mate­ria­li­en mit gerin­ge­rer Qua­li­tät einzusetzen.

Zum Bei­spiel müs­sen Ein­weg­ar­ti­kel, die ledig­lich als Trans­port­schutz die­nen, kei­ne hohen Anfor­de­run­gen erfül­len. Ihre Auf­ga­be ist, Schä­den an der trans­por­tier­ten Ware zu ver­mei­den. Lebens­dau­er oder che­mi­sche Bestän­dig­kei­ten sind in so einem Fall neben­säch­lich. Auch bei Nicht-Sicht­kom­po­nen­ten kön­nen Abstri­che gemacht wer­den, ins­be­son­de­re hin­sicht­lich Hap­tik und Optik.

Glei­ches gilt für den Leis­tungs­um­fang. Nicht jedes Unter­neh­men wünscht sich Bera­tungs­leis­tun­gen von einem Gum­mi- oder Kunst­stoff­an­bie­ter. Man­che Kun­den kön­nen genau ein­schät­zen, was sie wol­len, und suchen nur nach einem güns­ti­gen Preis. Dies gilt ins­be­son­de­re, wenn es sich um tri­via­le Anwen­dungs­fäl­le ohne beson­de­re Anfor­de­rung an das Mate­ri­al handelt.

Auch bei den Lie­fer­kon­di­tio­nen gibt es sol­che und sol­che Fäl­le. Man­che Unter­neh­men haben kei­nen Bedarf für indi­vi­du­el­le Lie­fer­kon­zep­te. Oft sind Ein­zel­be­stel­lun­gen, die in einer Char­ge gelie­fert wer­den, völ­lig aus­rei­chend, bei­spiels­wei­se für ein­ma­li­ge Projekte.

Für die meis­ten Unter­neh­men sind dies jedoch Ein­zel­fäl­le. In der Regel spie­len Qua­li­tät und Leis­tungs­um­fang eine wich­ti­ge Rol­le und rela­ti­vie­ren einen höhe­ren Einkaufspreis.

Gera­de im Gum­mi- und Kunst­stoff­be­reich gibt es oft spe­zi­fi­sche Anfor­de­run­gen an Mate­ria­li­en, abhän­gig vom Ein­satz­ge­biet. Fast immer suchen Unter­neh­men nach einem Mate­ri­al, das gewis­se che­mi­sche oder phy­si­ka­li­sche Bestän­dig­kei­ten auf­weist, bestimm­ten Tem­pe­ra­tur­be­rei­chen stand­hält oder beson­de­re Zer­ti­fi­zie­run­gen mit­bringt. Einen Lie­fer­part­ner an der Hand zu haben, der auch indi­vi­du­ell ange­pass­te Werk­stof­fe anbie­tet und sein Know-how für die Aus­wahl bereit­stellt, ist in die­sen Fäl­len Gold wert.

Glei­ches gilt für die Trans­port­kon­di­tio­nen. Ist eine Kom­po­nen­te für die Seri­en­fer­ti­gung vor­ge­se­hen, wün­schen sich die meis­ten Kun­den bedarfs­ge­rech­te Lie­fer­ver­ein­ba­run­gen und eine pro­duk­ti­ons­ori­en­tier­te Kom­mis­sio­nie­rung – bei­des Dienst­leis­tun­gen, die im Nied­rig­preis­seg­ment fehlen.

Den Anbie­ter sorg­fäl­tig auswählen

Grund­sätz­lich spricht nichts dage­gen, Gum­mi- und Kunst­stoff­kom­po­nen­ten Bil­lig­an­bie­tern zu bezie­hen. Man­che Unter­neh­men tun dies jedoch aus den fal­schen Grün­den. Sie agie­ren rein preis­ge­trie­ben und igno­rie­ren dabei Fak­to­ren, die even­tu­ell gegen die­se Art der Beschaf­fung sprechen.

Es kommt immer wie­der vor, dass sich Unter­neh­men auf­grund des güns­ti­gen Prei­ses für Gum­mi- oder Kunst­stoff­pro­duk­te ent­schei­den, die ihre Anfor­de­run­gen nicht zu 100 Pro­zent erfül­len. Wir hat­ten bei­spiels­wei­se einen Kun­den, der für sei­ne Werk­hal­le Schutz­mat­ten benö­tig­te. Er ent­schied sich trotz Bera­tung für die bil­ligs­te Opti­on, die jedoch star­ke Aus­düns­tun­gen auf­wies. Nach zahl­rei­chen Beschwer­den der Mitarbeiter:innen über den stren­gen Geruch muss­te der Kun­de sei­ne Ent­schei­dung revi­die­ren und die Schutz­mat­ten austauschen.

Schuld an sol­chen Fäl­len sind oft inter­ne Inter­es­sens­kon­flik­te. Der Ein­kauf erhält die Vor­ga­be, die Kos­ten mög­lichst gering zu hal­ten, wäh­rend die Kon­struk­ti­on die Qua­li­tät der Kom­po­nen­ten opti­mie­ren möch­te. Teils for­dert auch die Com­pli­an­ce-Abtei­lung mög­lichst vie­le Zer­ti­fi­zie­run­gen an, um auf der siche­ren Sei­te zu sein, was die Situa­ti­on noch kom­pli­zier­ter macht.

Da sich die­se Kon­flik­te nicht ohne Wei­te­res lösen las­sen, geben am Ende zumeist die finan­zi­el­len Argu­men­te den Aus­schlag. Wobei man der Fair­ness hal­ber erwäh­nen soll­te, dass es auch umge­kehrt geht: Manch­mal wünscht sich die Kon­struk­ti­on zum Bei­spiel über­di­men­sio­nier­te Hoch­preis­ma­te­ria­li­en, die die Kos­ten des Pro­dukts unnö­tig steigern.

Auch die Gum­mi- und Kunst­stoff­lie­fe­ran­ten sind nicht ganz unschul­dig an die­ser Situa­ti­on. Ihre Ange­bo­te sind oft schwer ver­gleich­bar, da sie Kun­den gegen­über nicht trans­pa­rent genug auf­tre­ten. So ver­glei­chen Kun­den teils rei­ne Ein­kaufs­prei­se mit sol­chen, die bereits Ver­pa­ckung und Trans­port ent­hal­ten. Dabei über­sieht ihr Ein­kauf jedoch, dass mit Blick auf die Aus­hand­lung spe­zi­fi­scher Lie­fer­kon­zep­te sowie die Kom­mis­sio­nie­rung even­tu­ell ein ande­rer Anbie­ter die güns­ti­ge­re Alter­na­ti­ve wäre. Eini­ge Bil­lig­an­bie­ter wei­sen nicht alle Kos­ten trans­pa­rent auf, son­dern berech­nen ein­zel­ne Pos­ten erst im Nach­hin­ein. Dies erschwert die Ver­gleich­bar­keit mit der Kon­kur­renz deutlich.

Fazit

Star­ke Preis­fo­kus­sie­rung ist eine weit ver­brei­te­te Ein­kaufs­stra­te­gie, die jedoch Pro­ble­me ver­ur­sa­chen kann. Unter­neh­men, die Gum­mi und Kunst­stoff so güns­tig wie mög­lich ein­kau­fen wol­len, sim­pli­fi­zie­ren einen kom­ple­xen Ent­schei­dungs­pro­zess und erhal­ten daher häu­fig ver­bes­se­rungs­wür­di­ge Lösun­gen. Bil­lig­an­bie­ter haben zwar ihre Daseins­be­rech­ti­gung, aber sie sind nicht in allen Situa­tio­nen ide­al, denn ein nied­ri­ger Preis erfor­dert immer Abstri­che an ande­rer Stelle.

Der bes­te Weg aus die­ser Situa­ti­on ist Trans­pa­renz. Unter­neh­men soll­ten ihre Anfor­de­run­gen mög­lichst prä­zi­se defi­nie­ren und bei der Lie­fe­ran­ten­aus­wahl alle Kos­ten ein­be­zie­hen, um eine mög­lichst hohe Ver­gleich­bar­keit zu errei­chen. So ent­steht eine opti­ma­le Infor­ma­ti­ons­ba­sis für die Aus­wahl des pas­sen­den Anbieters.

White­pa­per:
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Tim Eltze

Autor: Tim Eltze

Tim Elt­ze ist seit mehr als 20 Jah­ren im Bereich der Gum­mi- und Kunst­stoff­pro­duk­te tätig und ver­fügt über ein fun­dier­tes Fach­wis­sen in die­sen Berei­chen. Aktu­ell ist er bei Jäger als Regio­nal­lei­ter Nord und Stand­ort­lei­ter Ham­burg beschäftigt. 

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