JÄGER Busi­ness Blog

Gum­mi und Kunst­stoff im Lebens­mit­tel­be­reich –

Wor­auf kommt es an?

02.02.2022   | Tim Eltze

Birnen in Plastikschalen auf einem Laufband einer Verpackungsmaschine.
Fließband für Personalcomputer, Herstellungsprozess.

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Wann immer Kunst­stof­fe und Elas­to­me­re mit Lebens­mit­teln in Berüh­rung kom­men, gel­ten stren­ge Vor­schrif­ten, um Gesund­heits­ri­si­ken oder Ver­let­zungs­ge­fah­ren für Konsument:innen zu ver­mei­den. Dies stellt Unter­neh­men vor Her­aus­for­de­run­gen, denn sie müs­sen bei Kon­struk­ti­on und Mate­ri­al­aus­wahl beson­de­re Sorg­falt wal­ten las­sen. Im Fol­gen­den erhal­ten Sie einen Über­blick über die wich­tigs­ten Aspek­te, die im Kon­text der Lebens­mit­tel­si­cher­heit rele­vant sind.

Wel­che Risi­ken ber­gen Kunst­stoff und Gum­mi im Lebensmittelbereich?

Ein gro­ßes Risi­ko besteht dar­in, dass die ver­wen­de­ten Mate­ria­li­en das Medi­um kon­ta­mi­nie­ren. Hier gibt es zwei Fäl­le zu beachten.

Zum einen kön­nen sich gro­be Par­ti­kel ablö­sen, die groß genug sind, um Ver­let­zun­gen im Hals- und Rachen­be­reich her­vor­zu­ru­fen (zum Bei­spiel Kunst­stoff­split­ter). Dies wird vor allem durch abra­si­ve Belas­tun­gen ver­ur­sacht, wenn bei­spiels­wei­se das Medi­um gegen eine schar­fe Kan­te scheu­ert und sie mit der Zeit abträgt. Doch auch eine fal­sche Behand­lung des Mate­ri­als kann dazu füh­ren, dass sich Par­ti­kel lösen. Zum Bei­spiel wer­den man­che Arten von Plas­tik porös, wenn sie dau­er­haft UV-Strah­lung aus­ge­setzt sind.

Zum ande­ren droht eine Kon­ta­mi­nie­rung durch Mikro­par­ti­kel. Die­se ber­gen zwar kein Ver­let­zungs­ri­si­ko, aber vie­le Mate­ria­li­en kön­nen Ver­gif­tungs­er­schei­nun­gen aus­lö­sen, wenn sie in den mensch­li­chen Orga­nis­mus gelan­gen. Hier kann eben­falls Abra­si­on die Ursa­che sein, wenn Kleinst­par­ti­kel von einer Kom­po­nen­te abge­scheu­ert wer­den. Doch auch che­mi­sche Reak­tio­nen kön­nen dazu füh­ren, dass ein Gum­mi- oder Kunst­stoff­teil Inhalts­stof­fe an Lebens­mit­tel abgibt, aus­ge­löst bei­spiels­wei­se durch hohe Tem­pe­ra­tu­ren oder Kon­takt mit bestimm­ten Medien.

Eben­falls ris­kant ist eine Ver­un­rei­ni­gung des Medi­ums durch Abla­ge­run­gen. Sam­meln sich bei­spiels­wei­se bei der Ver­ar­bei­tung von Frisch­milch Res­te in Rit­zen des Tanks an, ver­der­ben die­se mit der Zeit und kon­ta­mi­nie­ren die rest­li­che Ware. Gesund­heits­schäd­li­che Abla­ge­run­gen ent­ste­hen häu­fig durch Feh­ler bei der Rei­ni­gung. Teil­wei­se sind sie aber auch kon­struk­ti­ons­be­dingt, ver­ur­sacht durch Hohl- oder Toträu­me, die nur schwer gesäu­bert wer­den können.

Hinweis 

Kon­ta­mi­nier­te Lebens­mit­tel sind nicht nur für Konsument:innen ris­kant. Auch für den Her­stel­ler kön­nen sie gra­vie­ren­de Kon­se­quen­zen haben. Dies reicht von kost­spie­li­gen Rück­ruf­ak­tio­nen über Repu­ta­ti­ons­ver­lus­te bis hin zu Kla­gen durch Behör­den, Ver­brau­cher­schutz­ver­bän­de oder Einzelpersonen. 

Wie kön­nen Unter­neh­men die­se Risi­ken minimieren?

Unter­neh­men, die im Lebens­mit­tel­be­reich tätig sind, müs­sen bei der Pro­duk­ti­on beson­de­re Sorg­falt wal­ten las­sen. Dies betrifft den gesam­ten Fer­ti­gungs­pro­zess, von der Ent­wick­lung bis hin zur Qua­li­täts­kon­trol­le. Im Umgang mit Kunst­stof­fen und Elas­to­me­ren sind ins­be­son­de­re zwei Aspek­te rele­vant: die Mate­ri­al­aus­wahl und die Konstruktion.

Bei der Mate­ri­al­aus­wahl gilt es vor allem, gesund­heits­schäd­li­che Werk­stof­fe zu ver­mei­den. Auch Mate­ria­li­en, die anfäl­lig für abra­si­ve Belas­tung sind, haben in der Lebens­mit­tel­ver­ar­bei­tung nichts ver­lo­ren. Anfor­de­run­gen die­ser Art sind jedoch rela­tiv ein­fach zu berück­sich­ti­gen, da sie ohne­hin in gesetz­li­chen Vor­ga­ben und Regu­la­ri­en ent­hal­ten sind. Kunst­stof­fe und Elas­to­me­re, die in der Lebens­mit­tel­in­dus­trie zum Ein­satz kom­men, müs­sen eine Rei­he von Zer­ti­fi­zie­run­gen auf­wei­sen (unter ande­rem die FDA-Zulas­sung und die EU-Norm 10/2011), die von vorn­her­ein bestimm­te Mate­ri­al­sor­ten ausschließen.

Eine Maschine die Jogurt in Becher füllt.

Jogurt Abfül­lung

Wich­tig ist auch, die Rei­ni­gung einer Gum­mi- oder Kunst­stoff­kom­po­nen­te im Blick zu behal­ten. Wäh­rend der Säu­be­rung sind die­se Tei­le oft Umge­bungs­fak­to­ren aus­ge­setzt, die sich deut­lich von ihrem pri­mä­ren Ein­satz­be­reich unter­schei­den. Bei­spiels­wei­se kom­men sie mit Säu­ren, Lösungs­mit­teln oder hei­ßem Was­ser­dampf in Kon­takt. Dies muss im Zuge der Mate­ri­al­aus­wahl berück­sich­tigt wer­den. Sonst besteht das Risi­ko, dass sich die Eigen­schaf­ten der Kom­po­nen­te ändern und sie Inhalts­stof­fe an das ver­ar­bei­te­te Medi­um abgibt.

Hinweis 

Nicht nur das Medi­um und die Kunst­stoff- bzw. Gum­mi­kom­po­nen­ten soll­ten bei der Mate­ri­al­aus­wahl Beach­tung fin­den, son­dern auch alle metal­li­schen Ele­men­te des maschi­nel­len Sys­tems. Dazu zäh­len unter ande­rem Arma­tu­ren, Rohr­lei­tun­gen und Tanks. Die Inter­ak­ti­on zwi­schen Metall und Kunst­stoff darf nicht ver­nach­läs­sigt wer­den, sonst dro­hen uner­wünsch­te Nebeneffekte. 

Zwecks Qua­li­täts­si­che­rung emp­fiehlt sich zudem der Ein­satz detek­tier­ba­rer Mate­ria­li­en. Dabei han­delt es sich um Werk­stof­fe, die so gestal­tet sind, dass sie in ande­ren Mate­ria­li­en leicht iden­ti­fi­ziert wer­den kön­nen. Hier­zu zäh­len bei­spiels­wei­se Elas­to­me­re, die sich farb­lich deut­lich von dem ver­ar­bei­te­ten Medi­um abhe­ben, wodurch kon­ta­mi­nier­te Arti­kel visu­ell leich­ter aus­ge­macht und aus­sor­tiert wer­den kön­nen. Ein ande­res Bei­spiel umfasst Kunst­stof­fe, die durch Zuga­be von Metal­len leicht magne­tisch sind und somit von auto­ma­ti­sier­ten Sen­so­ren erfasst wer­den kön­nen. Detek­tier­ba­re Mate­ria­li­en wie die­sen sen­ken das Risi­ko, dass kon­ta­mi­nier­te Waren die Qua­li­täts­kon­trol­le fälsch­lich passieren.

In der Kon­struk­ti­on geht es vor allem dar­um, Schwach­stel­len zu ver­mei­den, an denen sich Par­ti­kel lösen und das Medi­um kon­ta­mi­nie­ren kön­nen. Es soll­te mög­lich nichts abste­hen, was abbre­chen könn­te. Auch schar­fe Kan­ten sind sub­op­ti­mal, denn sie kön­nen mit der Zeit glatt­ge­schlif­fen wer­den, wodurch sich Mate­ri­al ablöst. Glei­ches gilt für Hohl- und Toträu­me sowie spit­ze Ecken. Dort kön­nen sich Stof­fe abla­gern, die mit der Zeit ver­der­ben und somit gesund­heits­schäd­lich sind. Die­ser Effekt wird dadurch ver­stärkt, dass die­se Berei­che schwer zu rei­ni­gen sind.

Son­der­fall Trinkwasser

Beson­de­re Auf­merk­sam­keit gilt in die­sem Zusam­men­hang der Ver­ar­bei­tung von Trink­was­ser, denn die­ses ist in Deutsch­land streng regle­men­tiert. Die Auf­la­gen sind sogar noch höher als im gene­rel­len Lebens­mit­tel­be­reich. Grund dafür ist die Tat­sa­che, dass Kon­ta­mi­nie­run­gen in Trink­was­ser auf­grund der Mas­se oft nur schwer zu erken­nen sind. Zudem ist die nach­träg­li­che Fil­te­rung von Schad­stof­fen eine Her­aus­for­de­rung, da die­se meist aus Kleinst­par­ti­keln (z. B. Mikro­plas­tik) bestehen.

Drei blaue Schläuche an Kupplungen und eine freie Kupplung.

Kupp­lun­gen mit Schläuchen

Trink­was­ser zu rei­ni­gen ist in der Regel auf­wen­dig und zeit­rau­bend. Daher zie­len Schutz­maß­nah­men pri­mär dar­auf ab, Ver­un­rei­ni­gun­gen zu ver­mei­den – bei­spiels­wei­se durch strik­te Hygie­ne­vor­schrif­ten oder stren­ge Vor­ga­ben für Werk­stof­fe, die mit Was­ser in Berüh­rung kom­men. Grund­la­gen hier­für sind sowohl die gesetz­li­che Trink­was­ser­ver­ord­nung (Trink­wV) als auch die Zer­ti­fi­zie­rung des deut­schen Ver­eins des Gas- und Was­ser­fa­ches (DVGW).

Fazit

Im Lebens­mit­tel­be­reich ist größ­te Sorg­falt gefragt, denn Feh­ler oder Miss­stän­de kön­nen gesund­heit­li­che Fol­gen für Men­schen haben. Daher soll­ten Fer­ti­gungs­un­ter­neh­men beim Umgang mit Gum­mi- oder Kunst­stoff­kom­po­nen­ten dar­auf ach­ten, die nöti­gen Zer­ti­fi­zie­run­gen ein­zu­ho­len und alle Vor­ga­ben genau zu erfül­len. Dies gilt ins­be­son­de­re für die Mate­ri­al­aus­wahl, aber auch für die Kon­struk­ti­on. Qua­li­täts­si­che­rung hat in der Lebens­mit­tel­in­dus­trie obers­te Prio­ri­tät. Wenn Sie das im Hin­ter­kopf behal­ten, ist auch dort der Umgang mit Kunst­stof­fen und Elas­to­me­ren kein Hexenwerk.

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Tim Eltze

Autor: Tim Eltze

Tim Elt­ze ist seit mehr als 20 Jah­ren im Bereich der Gum­mi- und Kunst­stoff­pro­duk­te tätig und ver­fügt über ein fun­dier­tes Fach­wis­sen in die­sen Berei­chen. Aktu­ell ist er bei Jäger als Regio­nal­lei­ter Nord und Stand­ort­lei­ter Ham­burg beschäftigt. 

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