JÄGER Busi­ness Blog

Ist Gum­mi- & Kunst­stoff-Sourcing aus Asi­en
mit fle­xi­blem Sup­ply-Chain-Manage­ment vereinbar?

29.09.2021   |   Han­nes Bolting

Share on facebook
Share on linkedin
Share on xing
Share on email
Die Coro­na-Pan­de­mie hat gezeigt, wie fra­gil die Lie­fer­ket­ten moder­ner Unter­neh­men tat­säch­lich sind. Natür­lich ist die Anfäl­lig­keit ver­zweig­ter Sup­ply Chains für Stö­run­gen kei­ne neue Erkennt­nis. In den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren hat die Welt­wirt­schaft jedoch zum ers­ten Mal erlebt, was pas­siert, wenn der Ernst­fall ein­tritt. Ange­sichts die­ses Weck­rufs soll­ten sich Unter­neh­men fra­gen, ob sie ihre Gum­mi- und Kunst­stoff-Form­tei­le wei­ter­hin aus Fern­ost bezie­hen wollen. 

Kom­ple­xe Lie­fer­ket­ten sind immer riskant

In den meis­ten Unter­neh­men ist das Sup­ply Chain Manage­ment preis­ge­trie­ben. Bie­ten meh­re­re Lie­fe­ran­ten Ware in ver­gleich­ba­rer Qua­li­tät an, ent­schei­det sich der Ein­kauf in der Regel für den güns­ti­ge­ren Anbie­ter. Daher bezie­hen sehr vie­le Pro­du­zen­ten ihre Kunst­stoff- und Elas­to­mer-Form­tei­le aus Asi­en, einer Regi­on, die sich durch eine robus­te Indus­trie sowie nied­ri­ge Roh­stoff- und Lohn­kos­ten aus­zeich­net. 

Mit den mone­tä­ren Vor­tei­len, die Sourcing aus Asi­en bie­tet, gehen jedoch eini­ge Risi­ken ein­her. So sind bei­spiels­wei­se die Grund­lie­fer­zei­ten deut­lich höher als bei euro­päi­schen Anbie­tern. Eine Bestel­lung per See­fracht kann durch­aus drei Mona­te unter­wegs sein, bevor sie in Euro­pa ein­trifft. 

Dar­über hin­aus bie­tet der lan­ge Trans­port­weg mehr Ansatz­punk­te für unvor­her­ge­se­he­ne Ereig­nis­se, die eine frist­ge­rech­te Lie­fe­rung ver­hin­dern kön­nen. Auf einer mehr­mo­na­ti­gen Rei­se ist die Chan­ce wesent­lich grö­ßer, dass schlech­tes Wet­ter oder über­las­te­te Häfen zu Ver­zö­ge­run­gen füh­ren. Zudem pas­sie­ren Waren­lie­fe­run­gen auf dem Weg von Asi­en nach Euro­pa meh­re­re Fla­schen­häl­se, an denen Stö­run­gen gra­vie­ren­de Kon­se­quen­zen haben kön­nen. Man den­ke nur an die Blo­cka­de des Suez­ka­nals im März 2021. 

Hin­zu kom­men geo­po­li­ti­sche Risi­ko­fak­to­ren. Straf­zöl­le oder Ein­fuhr­be­schrän­kun­gen, die auf­grund von Han­dels­strei­tig­kei­ten oder diplo­ma­ti­scher Vor­fäl­le erlas­sen wer­den, kön­nen Waren­lie­fe­run­gen eben­falls ver­zö­gern oder sogar blo­ckie­ren, oft mit nur weni­gen Wochen Vor­lauf­zeit. 

In einer sta­bi­len wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on wer­den die­se Nach­tei­le von den gerin­ge­ren Ein­kaufs­prei­sen kom­pen­siert. In Kri­sen­zei­ten ändert sich das jedoch.

Roh­stof­fe sind zur­zeit knapp

Die öko­no­mi­schen Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Pan­de­mie sind noch nicht genau ein­schätz­bar. Fest steht aller­dings, dass eini­ge Bran­chen stark unter der Kri­se gelit­ten haben. Unter ande­rem sind die Umsät­ze der Gas­tro­no­mie, der Tou­ris­tik und des Nah­ver­kehrs stark zurück­ge­gan­gen, was sich auch auf deren Lie­fe­ran­ten und Dienst­leis­ter aus­wirkt. Am Ende die­ser Kau­sal­ket­te steht die Roh­stoff­in­dus­trie, die eben­falls Umsatz­ein­bu­ßen hin­neh­men muss­te und ihre För­der- bzw. Pro­duk­ti­ons­men­gen ent­spre­chend redu­ziert hat. 

Seit Som­mer 2021 geht die Zahl der neu gemel­de­ten Coro­na-Erkran­kun­gen welt­weit zurück. Die meis­ten Indus­trie­län­der befin­den sich in einem wirt­schaft­li­chen Auf­schwung. Daher steigt die Nach­fra­ge nach Roh­stof­fen und Mate­ri­al zur­zeit stark an, was wie­der­um die Prei­se in die Höhe treibt. Gra­vie­ren­der ist jedoch die man­geln­de Ver­füg­bar­keit bestimm­ter Roh­stof­fe. Dank der enor­men Nach­fra­ge sind man­che Res­sour­cen (zum Bei­spiel Stahl oder Kunst­stof­fe) kaum noch zu bekom­men. Und falls doch, kann der Anbie­ter oft kei­nen fes­ten Lie­fer­ter­min garantieren.

Ent­wick­lung der Preis­in­di­zes von Elas­to­me­ren (Quel­le: www.wdk.de)

Sourcing aus Euro­pa ist teu­rer, aber zuverlässiger

Für euro­päi­sche Fer­ti­gungs­un­ter­neh­men, deren Pro­duk­ti­ons­pla­nung von der ter­min­ge­rech­ten Lie­fe­rung von Roh­stof­fen und Kom­po­nen­ten abhängt, ist die­se Situa­ti­on eine gro­ße Her­aus­for­de­rung. Das gilt ins­be­son­de­re für Orga­ni­sa­tio­nen, die ihre Gum­mi- und Kunst­stoff-Form­tei­le aus Asi­en bezie­hen. Ihnen fehlt die Fle­xi­bi­li­tät, bei Lie­fer­schwie­rig­kei­ten eines Anbie­ters kurz­fris­tig eine ande­re Lösung zu finden. 

Zwar besteht die Mög­lich­keit, Waren aus Fern­ost mit län­ge­rer Vor­lauf­zeit zu bestel­len, um so die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen von Ver­zö­ge­run­gen zu redu­zie­ren. Das gelingt jedoch nur, wenn das Unter­neh­men über aus­rei­chen­de Lager­ka­pa­zi­tä­ten ver­fügt, was zum einen mit Kos­ten ver­bun­den ist und zum ande­ren dem Grund­ge­dan­ken des moder­nen Sup­ply Chain Manage­ments wider­spricht, das Lager auf die Stra­ße zu verlegen. 

Im Zuge des­sen rücken euro­päi­sche Lie­fe­ran­ten aktu­ell stär­ker in den Fokus. Dank der geo­gra­fi­schen Nähe sind ihre Grund­lie­fer­zei­ten deut­lich gerin­ger als die asia­ti­scher Her­stel­ler. Das inner­eu­ro­päi­sche Schie­nen- bzw. Auto­bahn­netz hat kei­ne nen­nens­wer­ten Eng­päs­se, die einen Fla­schen­hals bil­den könn­ten. Zudem ent­fal­len inner­halb des Schen­gen-Raums sämt­li­che Grenz­kon­trol­len. All die­se Fak­to­ren sor­gen dafür, dass die Lie­fer­treue euro­päi­scher Anbie­ter deut­lich höher ist.

Zusam­men­ge­fasst

Sup­ply Chain Manage­ment ist immer auch eine Fra­ge der Risi­ko­af­fi­ni­tät. Kom­ple­xe Lie­fer­ket­ten, die Roh­stof­fe, Mate­ria­li­en und Kom­po­nen­ten aus allen Regio­nen der Welt beinhal­ten, sen­ken die Pro­duk­ti­ons­kos­ten und ver­bes­sern somit die Wett­be­werbs­fä­hig­keit. Aller­dings ber­gen sie auch hohe Risi­ken. Soll­te doch ein­mal eine grö­ße­re Stö­rung auf­tre­ten, fällt es den betrof­fe­nen Unter­neh­men schwer, kurz­fris­tig Gegen­maß­nah­men zu ergrei­fen. Die Zusam­men­ar­beit mit loka­len Lie­fe­ran­ten ist dage­gen deut­lich siche­rer, aber auch mit höhe­ren Kos­ten ver­bun­den. 

Letz­ten Endes muss jedes Unter­neh­men für sich ent­schei­den, wie es sein Sup­ply Chain Manage­ment auf­bau­en will. Eini­ge wer­den auch wei­ter­hin ihren Res­sour­cen­be­darf aus Fern­ost decken, da sie sich einem hohen Preis­druck aus­ge­setzt sehen. Für ande­re ergibt es Sinn, auf euro­päi­sche Anbie­ter aus­zu­wei­chen, um mehr Sicher­heit zu gewin­nen. Wich­tig ist nur, dass sich Fer­ti­gungs­un­ter­neh­men die Risi­ken bewusst machen, die rein kos­ten­ori­en­tier­tes Sup­ply Chain Manage­ment birgt. Die letz­ten zwei Jah­re haben gezeigt, was im schlimms­ten Fall pas­sie­ren kann.

Jetzt Bei­trag teilen!

Share on facebook
Facebook 
Share on linkedin
LinkedIn 
Share on xing
XING 
Share on email
Email 
Share on telegram
Telegram 
Share on whatsapp
WhatsApp 

Autor: Han­nes Bolting

Han­nes Bol­ting ist seit 2018 bei Jäger im Ver­trieb tätig. Par­al­lel dazu absol­viert der gelern­te Indus­trie­kauf­mann ein Mas­ter­stu­di­um mit dem Schwer­punkt Sales Manage­ment an der FOM Hoch­schu­le für Öko­no­mie & Manage­ment in Hannover.

Covid-19 Inhalte