JÄGER Busi­ness Blog

Lie­fe­ran­ten­aus­wahl für Gum­mi und Kunst­stoff –

Wor­auf soll­ten Sie achten?

02.03.2022   | Joa­chim Reindl | Die­ter Lödel

Ein Team bei einer Projektplanung.
Fließband für Personalcomputer, Herstellungsprozess.

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Den pas­sen­den Lie­fe­ran­ten für Gum­mi- oder Kunst­stoff­kom­po­nen­ten zu fin­den, ist nicht ganz ein­fach. Es gibt zahl­rei­che Anbie­ter auf dem Markt, deren Leis­tung von außen oft schwer zu beur­tei­len ist. Hin­zu kommt, dass Lie­fe­ran­ten in die­sem Bereich häu­fig auch als Ent­wick­lungs­part­ner agie­ren und der Anteil an Dienst­leis­tun­gen ent­spre­chend höher ist. Aus die­sem Grund ist es rat­sam, sich vor der Aus­wahl eines neu­en Zulie­fe­rers für Gum­mi- und Kunst­stoff­pro­duk­te einen Über­blick über die Beson­der­hei­ten der Bran­che zu verschaffen.

Wie läuft die Lie­fe­ran­ten­aus­wahl bei Gum­mi und Kunst­stoff ab?

Auf der grund­le­gen­den Pro­zess­ebe­ne ist die Lie­fe­ran­ten­aus­wahl in allen Unter­neh­men gleich. Der Ein­kauf recher­chiert zunächst infra­ge kom­men­de Anbie­ter für die gesuch­ten Mate­ria­li­en (basie­rend auf inter­nen oder exter­nen Infor­ma­tio­nen) und erstellt eine Short List. Anschlie­ßend schaut er sich alle Her­stel­ler auf die­ser Lis­te im Detail an, streicht jene, die sich als unge­eig­net erwei­sen, und wählt aus den Ver­blie­be­nen den Lie­fer­part­ner aus, der die indi­vi­du­el­len Ent­schei­dungs­kri­te­ri­en am bes­ten erfüllt.

Die zwei­te Pha­se, die Lie­fe­ran­ten­be­wer­tung, ist in der Gum­mi- und Kunst­stoff­ver­ar­bei­tung eine beson­de­re Her­aus­for­de­rung. Grund dafür ist der gerin­ge Stan­dar­di­sie­rungs­grad die­ser Werkstoffe.

Im Metall­sek­tor gibt es fest defi­nier­te Pro­duk­te, zum Bei­spiel Stahl­sor­ten, die immer die glei­chen Eigen­schaf­ten auf­wei­sen. Der Ein­kauf kann sich also dar­auf kon­zen­trie­ren, einen Anbie­ter zu fin­den, der das von der Kon­struk­ti­on gefor­der­te Mate­ri­al zu mög­lichst güns­ti­gen Kon­di­tio­nen anbietet.

Bei Gum­mi und Kunst­stoff ist das nur ein­ge­schränkt der Fall. Sowohl Kunst­stof­fe als auch Elas­to­me­re sind Werk­stof­fe mit einem brei­ten Spek­trum an Eigen­schaf­ten, die von ihrer spe­zi­fi­schen Zusam­men­set­zung abhän­gen. Es gibt zwar stan­dar­di­sier­te Pro­duk­te (zum Bei­spiel bestimm­te Arten von Sili­kon), die Anbie­ter auch flä­chen­de­ckend im Port­fo­lio haben, aber die­se eig­nen sich nicht für alle Anwendungsbereiche.

In der Regel brau­chen Kun­den Gum­mi­mi­schun­gen bzw. Kunst­stof­fe, die indi­vi­du­ell auf ihre Bedürf­nis­se zuge­schnit­ten sind, abhän­gig von Para­me­tern wie Umge­bungs­tem­pe­ra­tu­ren, mecha­ni­schen Belas­tun­gen oder Vibrationen.

Nur weni­ge Her­stel­ler sind in der Lage, Arti­kel aus Gum­mi und Kunst­stoff zu ent­wer­fen, die ihre Kri­te­ri­en adäquat erfüllt. Das liegt dar­an, dass die Kern­kom­pe­ten­zen der meis­ten Fer­ti­gungs­un­ter­neh­men eher im Metall­be­reich lie­gen. Für den Umgang mit Kunst­stof­fen oder Elas­to­me­ren fehlt ihnen schlicht das Know-how. Falls sie doch ein­mal eine ent­spre­chen­de Kom­po­nen­te benö­ti­gen, egal Kunst­stoff-Bau­tei­le, Ver­bund­tei­le oder Gum­mi-Form­tei­le, neh­men sie die Bera­tungs­leis­tung ihrer Zulie­fe­rer in Anspruch. Die­ser Umstand soll­te sich auch in der Lie­fe­ran­ten­aus­wahl widerspiegeln.

Zwei Personen die sich gegenübersitzen und Zahlen aus Diagrammen besprechen.

Bera­tungs­ge­spräch auf Grund­la­ge tech­ni­scher Daten

Wor­auf soll­ten Sie bei Kunst­stoff-Bau­tei­len oder Gum­mi-Form­tei­len achten?

Har­te Fak­to­ren wie Preis, Lie­fer­kon­di­tio­nen und Pro­dukt­qua­li­tät spie­len auch bei Elas­to­me­ren und Kunst­stof­fen eine gro­ße Rol­le und soll­ten kei­nes­falls ver­nach­läs­sigt wer­den. Aller­dings ste­hen sie nicht allein im Fokus der Lie­fe­ran­ten­be­wer­tung. Bei der Beschaf­fung von Gum­mi- und Kunst­stoff­ar­ti­keln sind auch wei­che Fak­to­ren von hohem Wert, mehr noch als im Metallbereich.

In der Regel suchen Fer­ti­gungs­un­ter­neh­men bei Kunst­stoff-Bau­tei­len oder Gum­mi­wa­ren nicht nur einen Pro­dukt­an­bie­ter, son­dern einen Ent­wick­lungs­part­ner, der sie sowohl bei der Kon­struk­ti­on als auch bei der Mate­ri­al­aus­wahl unter­stützt. Gum­mi- und Kunst­stoff­zu­lie­fe­rer sind tie­fer in den Wert­schöp­fungs­pro­zess ihrer Kun­den ein­ge­bun­den, als es in vie­len ande­ren Bran­chen der Fall ist. Ent­spre­chend ist die Qua­li­tät ihrer Bera­tungs­leis­tun­gen und der Kun­den­ser­vice ein wich­ti­ger Bestand­teil der Lieferantenauswahl.

Ach­ten Sie dar­auf, wie poten­zi­el­le Zulie­fe­rer auf Ihre Anfra­ge reagie­ren. Seriö­se Anbie­ter ana­ly­sie­ren zunächst Ihre Anfor­de­run­gen und Rah­men­be­din­gun­gen, bevor sie ein Ange­bot abge­ben. Sol­che Lie­fe­ran­ten stel­len Fra­gen, kom­mu­ni­zie­ren auf Augen­hö­he mit ihren Kun­den und scheu­en nicht davor zurück, uner­kann­te Her­aus­for­de­run­gen oder alter­na­ti­ve Lösungs­an­sät­ze zu finden.

Ehr­lich­keit und Trans­pa­renz sind das A und O im Beschaf­fungs­pro­zess. In der Regel gibt es kei­ne Elas­to­me­re und Kunst­stof­fe, die out of the box alle Kun­den­an­for­de­run­gen erfül­len. Glei­ches gilt für die Lie­fer­zei­ten. Aktu­ell hat die gesam­te deut­sche Indus­trie Lie­fer­schwie­rig­kei­ten und teilt das auch offen mit. Unter­neh­men, die dies nicht tun, han­deln ihren Kun­den gegen­über ver­mut­lich nicht transparent.

Hinweis 

Die Rede ist hier von einem durch­schnitt­li­chen Pro­jekt, in dem es bei­spiels­wei­se um Schläu­che oder Dich­tun­gen geht. Natür­lich gibt es Anwen­dungs­fäl­le für die Stan­dard­ma­te­ria­li­en oder ‑kom­po­nen­ten wie O‑Ringe ein­wand­frei geeig­net sind. In der Pra­xis kommt das jedoch eher sel­ten vor. 

Wich­tig ist auch, dass Sie die Lie­fe­ran­ten­aus­wahl im Gum­mi- und Kunst­stoff­be­reich nicht aus­schließ­lich den Mitarbeiter:innen des Ein­kaufs über­las­sen. Die­se kön­nen zwar Prei­se und Lie­fer­kon­di­tio­nen aus­han­deln, den bera­ten­den Anteil der Zusam­men­ar­beit aber kaum bewer­ten. Die wenigs­ten Einkäufer:innen kön­nen ein­schät­zen, ob die vor­ge­schla­ge­ne Lösung eines Gum­mi- und Kunst­stoff­an­bie­ters die Anfor­de­run­gen der Kon­struk­ti­on erfüllt. Daher soll­ten Sie neben dem Ein­kauf immer auch die Fach­ab­tei­lun­gen an Bord holen, zumin­dest was die tech­ni­schen Details angeht.

Es geht nicht nur um den Preis der Produkte

Der hohe Kon­kur­renz­druck in der Indus­trie treibt vie­le Unter­neh­men dazu, ihre Beschaf­fung preis­ori­en­tiert aus­zu­rich­ten. Was Kunst­stoff- und Gum­mi­pro­duk­te angeht, ist dies aller­dings nur ein­ge­schränkt zu emp­feh­len. Der nied­ri­ge Stan­dar­di­sie­rungs­grad erschwert es Kun­den, die Qua­li­tät des Mate­ri­als im Vor­feld ein­zu­schät­zen. Gleich­zei­tig bie­ten Lie­fe­ran­ten im Nied­rig­preis­sek­tor weni­ger Bera­tungs­leis­tun­gen an, sodass Kun­den manch­mal ver­se­hent­lich einen unge­eig­ne­ten Werk­stoff für ihre Kom­po­nen­ten aus­wäh­len. Im Gum­mi- und Kunst­stoff­be­reich kann eine star­ke Preis­ori­en­tie­rung daher Ein­schrän­kun­gen hin­sicht­lich der Pro­dukt­qua­li­tät zur Fol­ge haben.

Zudem gibt es noch ande­re Ent­schei­dungs­kri­te­ri­en, die abseits des Prei­ses Teil der Lie­fe­ran­ten­be­wer­tung sein soll­ten. Hier­zu gehö­ren bei­spiels­wei­se Ser­vice, Lie­fer­si­cher­heit, ört­li­che Nähe und eine gute Erreich­bar­keit, wenn mög­lich mit fes­ten Ansprechpartner:innen im Kun­den­ser­vice, um den Kon­takt zwi­schen Kun­de und Lie­fe­rant zu erleichtern.

Auch das The­ma Nach­hal­tig­keit ist aus dem moder­nen Lie­fe­ran­ten­ma­nage­ment nicht mehr weg­zu­den­ken. Anfor­de­run­gen wie ein mög­lichst nied­ri­ger CO2-Aus­stoß, umwelt­freund­li­che Mate­ria­li­en und eine trans­pa­ren­te Lie­fer­ket­te, frei von Men­schen­rechts­ver­stö­ßen, gehö­ren in das Las­ten­heft jedes Unter­neh­mens und soll­ten gewis­sen­haft über­prüft wer­den. Nicht nur wegen recht­li­chen Vor­ga­ben, son­dern auch, weil Nach­hal­tig­keit für vie­le Entscheider:innen zu einem intrinsi­schen Anlie­gen gewor­den ist.

Fazit

Im Kern unter­schei­det sich die Lie­fe­ran­ten­aus­wahl für Gum­mi- und Kunst­stoff­pro­duk­te kaum von ande­ren Berei­chen. Der Pro­zess ist der glei­che, nur die Schwer­punk­te sind anders gesetzt. Wei­che Fak­to­ren wie Trans­pa­renz oder ehr­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on auf Augen­hö­he haben einen höhe­ren Stel­len­wert, da Gum­mi und Kunst­stoff einen höhe­ren Bera­tungs­an­teil erfordern.

Alle Form­tei­le sind indi­vi­du­ell an ihren Ein­satz­zweck ange­passt, Stan­dard­pro­duk­te gibt es nur weni­ge. Daher suchen Fer­ti­gungs­un­ter­neh­men für Gum­mi und Kunst­stoff meist nicht nur einen Anbie­ter, son­dern einen Ent­wick­lungs­part­ner, der sie bei Mate­ri­al­aus­wahl, Opti­mie­rung und Kon­struk­ti­on unter­stützt. Die­sen Umstand soll­ten Sie bei der Lie­fe­ran­ten­aus­wahl auf jeden Fall im Blick behalten.

White­pa­per:
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Erfah­ren Sie, wel­che Fak­to­ren Ihren SOP beeinflussen! 
Mitarbeiter im Vertrieb Joachim Reindl

Autor: Joa­chim Reindl

Joa­chim Reindl ist regio­na­ler Ver­triebs­lei­ter bei Jäger, zustän­dig für Öster­reich und den Süden von Bay­ern. Er hat 45 Jah­re Erfah­rung in der Gum­mi- und Kunststoffbranche.

Mitarbeiter im Vertrieb Dieter Lödel

Autor: Die­ter Lödel

Die­ter Lödel ist seit 2015 Außen­dienst­mit­ar­bei­ter bei Jäger und bringt 30 Jah­re Erfah­rung im Kunst­stoff­be­reich mit. 

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