JÄGER Busi­ness Blog

Lie­fe­ran­ten­kon­so­li­die­rung im Bereich Gum­mi und Kunst­stoff: Vor- und Nachteile

08.12.2021   |   Swen Schubert

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Ein schlan­kes Lie­fe­ran­ten­netz­werk bie­tet vie­le Vor­tei­le, eini­ge mone­tär, ande­re pro­zess­be­zo­gen. Kein Wun­der, dass immer mehr Unter­neh­men ihre Beschaf­fungs­struk­tu­ren kon­so­li­die­ren und im Gum­mi- und Kunst­stoff­be­reich dazu über­ge­hen, Mate­ri­al von mög­lichst weni­gen Anbie­tern zu bezie­hen. Doch die­se Stra­te­gie birgt auch Risi­ken. Bevor Entscheider:innen eine Lie­fe­ran­ten­kon­so­li­die­rung durch­füh­ren, soll­ten sie daher genau ana­ly­sie­ren, wel­che Beschaf­fungs­stra­te­gie für sie opti­mal ist. 

Vor­tei­le der Lieferantenkonsolidierung

Der Ein­kauf wird entlastet

Jeder Zulie­fe­rer ver­ur­sacht einen gewis­sen Betreu­ungs­auf­wand, selbst wenn das Unter­neh­men des­sen Diens­te aktu­ell nicht in Anspruch nimmt. Der Ein­kauf muss sicher­ge­hen, dass alle Lie­fe­ran­ten in sei­nem Netz­werk lie­fer­fä­hig sind und die gefor­der­te Qua­li­tät wei­ter­hin bereit­stel­len kön­nen. Dazu muss er Zer­ti­fi­zie­run­gen anfra­gen, Geschäfts­part­nern recht­li­che und pro­zes­sua­le Ände­run­gen mit­tei­len und Stamm­da­ten in der Daten­bank aktua­li­sie­ren. In abseh­ba­rer Zeit ist dar­über hin­aus im Rah­men des Lie­fer­ket­ten­ge­set­zes (LKG) sicher­zu­stel­len, dass alle Lie­fe­ran­ten die im LKG for­mu­lier­ten ethi­schen und öko­lo­gi­schen Vor­ga­ben erfül­len. Die­se Auf­ga­ben stel­len gera­de in klei­nen Orga­ni­sa­tio­nen eine gro­ße Belas­tung für den Ein­kauf dar, ins­be­son­de­re, wenn sie ein umfang­rei­ches Lie­fe­ran­ten­netz­werk pflegen. 

Das Sup­ply Chain Manage­ment kann teil­wei­se out­ge­sourct werden

Beschaf­fungs­struk­tu­ren zu kon­so­li­die­ren bedeu­tet nicht unbe­dingt, auf die Vor­tei­le eines umfang­rei­chen Netz­werks zu ver­zich­ten. Vie­le Gum­mi- und Kunst­stoff­pro­du­zen­ten haben Kon­tak­te zu Sub­lie­fe­ran­ten und kön­nen im Bedarfs­fall Auf­ga­ben aus­la­gern. Der Koor­di­na­ti­ons­auf­wand liegt in die­sem Fall beim Pro­duk­ti­ons­part­ner. Oft erge­ben sich auch finan­zi­el­le Vor­tei­le, da Zulie­fe­rer höhe­re Ska­len­ef­fek­te bei Sub­lie­fe­ran­ten erzie­len kön­nen und mehr Spiel­raum bei Ver­trags­ver­hand­lun­gen haben. Auf die­se Wei­se ist es Kun­den mög­lich, einen Teil des eige­nen Sup­ply Chain Manage­ments auszulagern. 

Effi­zi­en­te­re Zusam­men­ar­beit mit Zulieferern

Eine kon­so­li­dier­te Lie­fe­ran­ten­struk­tur ermög­licht es, enge­re Bezie­hun­gen zu ein­zel­nen Dienst­leis­tern auf­zu­bau­en. Muss der Ein­kauf sei­ne Auf­merk­sam­keit nicht mehr unter einer Viel­zahl von Zulie­fe­rern auf­tei­len, gestal­tet sich die Zusam­men­ar­beit ein­fa­cher. Man kennt sich, hat in der Ver­gan­gen­heit schon mehr­mals zusam­men­ge­ar­bei­tet und weiß, wor­auf es der Gegen­sei­te ankommt. Kon­flik­te tre­ten dadurch sel­te­ner auf. Auch eine Ver­net­zung der IT-Sys­te­me ist in die­sem Sze­na­rio mög­lich, sodass ein Res­sour­cen­be­darf auf Kun­den­sei­te auto­ma­tisch als Bestel­lung im Sys­tem des Anbie­ters auf­taucht und im Gegen­zug Rech­nun­gen auto­ma­ti­siert dem Rech­nungs­we­sen des Kun­den zur Ver­fü­gung gestellt werden. 

Weni­ger Red­un­dan­zen im Werkzeugbau

Wenn ein Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­men ent­schei­det, Nicht­stan­dard-Spritz­guss­form­tei­le von meh­re­ren Anbie­tern par­al­lel zu bezie­hen, wer­den mul­ti­ple Werk­zeu­ge benö­tigt, deren Kos­ten sich im Ein­kaufs­preis der Kom­po­nen­ten nie­der­schla­gen. Die durch Red­un­danz beding­ten Vor­tei­le hin­sicht­lich der Lie­fer­si­cher­heit wer­den in die­sem Fall von den stei­gen­den Kos­ten rela­ti­viert. Eine kon­so­li­dier­te Beschaf­fungs­stra­te­gie hat dem­ge­gen­über finan­zi­el­le Vor­tei­le. Hier­bei mag es sich um einen Spe­zi­al­fall han­deln, der nur für den Gum­mi- und Kunst­stoff­be­reich rele­vant ist. Aller­dings soll­ten Entscheider:innen ihn nicht außer Acht lassen. 
Fer­ti­gung eines Spritzgusswerkzeugs

Nach­tei­le der Lieferantenkonsolidierung

Gerin­ge­re Flexibilität 

Ein kon­so­li­dier­tes Lie­fe­ran­ten­netz­werk hat zur Fol­ge, dass sich der Kun­de nicht län­ger für jeden Auf­trag den Anbie­ter mit den bes­ten Kon­di­tio­nen aus­su­chen oder bei Lie­fer­schwie­rig­kei­ten auf alter­na­ti­ve Zulie­fe­rer aus­wei­chen kann. Dies hat zum einen finan­zi­el­le Kon­se­quen­zen, denn der Kun­de hat weni­ger Spiel­raum bei Preis­ver­hand­lun­gen. Zum ande­ren kann aber auch die Lie­fer­si­cher­heit beein­träch­tigt sein, da sich der Kun­de von eini­gen weni­gen Zulie­fe­rern abhän­gig macht. Die­ser Nach­teil lässt sich teil­wei­se durch lang­fris­ti­ge Rah­men­ver­trä­ge aus­glei­chen. Ein gewis­ses Rest­ri­si­ko bleibt aller­dings bestehen.

Sin­gle Point of Failure

Es ist nicht von der Hand zu wei­sen, dass die Fokus­sie­rung auf weni­ge Zulie­fe­rer immer auch poten­zi­el­le Fla­schen­häl­se schafft, in man­chen Fäl­len sogar einen Sin­gle Point of Fail­u­re. Hat ein prä­fe­rier­ter Anbie­ter kurz­fris­tig Lie­fer­pro­ble­me, fällt es dem Kun­den oft schwer, recht­zei­tig einen Ersatz zu fin­den. Auch die­ses Risi­ko lässt sich mini­mie­ren, indem man Lie­fer­part­ner wählt, die selbst ein umfang­rei­ches Zulie­fer­er­netz­werk unter­hal­ten. Aller­dings liegt die Orga­ni­sa­ti­on die­ses Netz­werks nicht in der Hand des Unter­neh­mens, sodass auch hier immer eine gewis­se Unsi­cher­heit besteht. 

Aktu­el­le Rele­vanz (Herbst 2021) 

Zur­zeit ist das The­ma Lie­fe­ran­ten­kon­so­li­die­rung für die meis­ten Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­men eher weni­ger rele­vant, da sie Schwie­rig­kei­ten haben, über­haupt an Mate­ri­al zu kom­men. Die­ser Zustand wird jedoch nicht anhal­ten. Frü­her oder spä­ter wird sich die glo­ba­le Ver­füg­bar­keit von Roh­stof­fen wie­der einpendeln. 

Zusam­men­ge­fasst

Ob sich der zeit­li­che Auf­wand einer Lie­fe­ran­ten­kon­so­li­die­rung lohnt, hängt letz­ten Endes vom Unter­neh­men ab. Vie­le Entscheider:innen scheu­en davor zurück, die enor­me Fle­xi­bi­li­tät auf­zu­ge­ben, die ihnen ein umfang­rei­ches Zulie­fer­er­netz­werk bie­tet. Ein vali­der Stand­punkt. Es ist jedoch nicht von der Hand zu wei­sen, dass die­se Beschaf­fungs­stra­te­gie Kos­ten ver­ur­sacht und den Ein­kauf zusätz­lich belas­tet. Jedes Unter­neh­men muss bei­de Sei­ten sorg­fäl­tig abwä­gen. Ein guter Kom­pro­miss ist oft, die Zusam­men­ar­beit mit Gum­mi- und Kunst­stoff­an­bie­tern zu suchen, die selbst ein umfang­rei­ches Netz­werk an Sub­lie­fe­ran­ten unter­hal­ten. Auf die­se Wei­se pro­fi­tie­ren Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­men von den Vor­tei­len der Lie­fe­ran­ten­kon­so­li­die­rung und schwä­chen gleich­zei­tig deren Nach­tei­le ab. 

White­pa­per:
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Autor: Swen Schubert

Swen Schu­bert ist seit 2011 Stand­ort­lei­ter der Jäger-Nie­der­las­sung in Chem­nitz. Der gelern­te Groß- und Außen­han­dels­kauf­mann betreut im Außen­dienst alle Kun­den der öst­li­chen Bundesländer. 

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