JÄGER Busi­ness Blog

Roh­stoff­knapp­heit wegen Coro­na:

So soll­ten Fer­ti­gungs­un­ter­neh­men reagieren

19.01.2022   |  Bas­ti­an Wond­rat­schek  |  Mike Oli­ver Sabionski 

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Die glo­ba­le Roh­stoff­knapp­heit hat bran­chen­über­grei­fend zu Lie­fer­eng­päs­sen geführt. Grün­de dafür sind zum einen die stei­gen­de Nach­fra­ge infol­ge der pan­de­mie­be­ding­ten Wirt­schafts­flau­te und zum ande­ren die nach wie vor redu­zier­ten Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten der Roh­stoff­an­bie­ter. Ver­stärkt wird die­ser Effekt durch kürz­li­che Stö­run­gen der welt­wei­ten Lie­fer­ket­ten, z. B. die Blo­cka­de des Suez-Kanals oder die tem­po­rä­re Schlie­ßung des Con­tai­ner-Ter­mi­nals am chi­ne­si­schen Fracht­ha­fen Ningbo-Zhoushan.

Aktu­ell sind 78 Pro­zent der mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men in Deutsch­land von Mate­ri­al­eng­päs­sen betrof­fen. Dies gilt nicht nur für Holz und Stahl, son­dern auch für die Gum­mi- und Kunststoffindustrie.

Wie kön­nen Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­men auf die­se Situa­ti­on reagie­ren? Wel­che kurz- und mit­tel­fris­ti­gen Lösungs­an­sät­ze gibt es, um die­se Kri­se zu bewäl­ti­gen? Und was kön­nen Entscheider:innen tun, um trotz Knapp­heit die Mate­ri­al­ver­sor­gung sicherzustellen?

Alter­na­ti­ve Werk­stof­fe evaluieren

Kurz­fris­ti­ge Maß­nah­men sind rela­tiv schwie­rig umzu­set­zen, denn der Roh­stoff­man­gel ist ein weit­rei­chen­des Phä­no­men. Betrof­fe­ne Unter­neh­men kön­nen nicht ein­fach auf einen ande­ren Her­stel­ler aus­wei­chen, denn grund­sätz­lich sind die Lie­fer­schwie­rig­kei­ten uni­ver­sal. Zudem ist auch die Kon­kur­renz auf der Suche nach Roh­stof­fen und Vor­ma­te­ria­li­en, was den Roh­stoff­markt wei­ter anheizt.

Ein mög­li­cher Lösungs­an­satz besteht dar­in, alter­na­ti­ve Werk­stof­fe zu eva­lu­ie­ren, die even­tu­ell weni­ger stark gefragt sind. Dabei kann es sich um gene­ri­sche Vari­an­ten des glei­chen Mate­ri­als han­deln, etwa eine ande­re Mar­ke, oder Stof­fe mit leicht abwei­chen­den Cha­rak­te­ris­ti­ka.

Im Zuge der Mate­ri­al­aus­wahl streicht die Kon­struk­ti­on bei­spiels­wei­se häu­fig Werk­stof­fe von ihrer Lis­te, die wegen Klei­nig­kei­ten nicht in Fra­ge kom­men. Meist erfül­len die­se Stof­fe den­noch die pri­mä­ren Anfor­de­run­gen. Sie sind ledig­lich für den geplan­ten Ein­satz­zweck nicht opti­mal. In der aktu­el­len Situa­ti­on ist es sinn­voll, die­sen Mate­ria­li­en eine Chan­ce zu geben.

Lei­der sind alter­na­ti­ve Werk­stof­fe nicht für alle Bran­chen eine kurz­fris­ti­ge Hand­lungs­op­ti­on. In der Lebens­mit­tel- oder der Phar­ma­in­dus­trie durch­lau­fen Mate­ria­li­en bei­spiels­wei­se kom­ple­xe Frei­ga­be­pro­zes­se mit mul­ti­plen Test­run­den, bevor sie für die Pro­duk­ti­on frei­ge­ge­ben wer­den. Eine Frei­ga­be alter­na­ti­ver Werk­stof­fe ist zwar prin­zi­pi­ell mög­lich, kann aber bis zu sechs Mona­te dau­ern. Zudem ist nicht gesi­chert, dass die neu­en Optio­nen nach Ende der Eva­lu­ie­rung noch ver­füg­bar sind.

Koope­ra­ti­on mit ande­ren Unter­neh­men suchen

Trotz der Kon­kur­renz­si­tua­ti­on ver­su­chen eini­ge Fer­ti­gungs­un­ter­neh­men, der Kri­se durch Koope­ra­ti­on zu begeg­nen. Es kommt immer wie­der vor, dass jemand drin­gend Mate­ri­al A benö­tigt und gleich­zei­tig einen Über­schuss an Mate­ri­al B auf Lager hat. In die­sem Fall besteht die Mög­lich­keit, einen Tausch­han­del mit ande­ren Unter­neh­men abzu­schlie­ßen, die in einer ähn­li­chen Situa­ti­on sind.

Tausch­part­ner zu fin­den kann jedoch rela­tiv auf­wän­dig sein – ins­be­son­de­re, wenn den Ver­ant­wort­li­chen ent­spre­chen­de Kon­tak­te feh­len. Aus die­sem Grund haben sich mitt­ler­wei­le diver­se digi­ta­le Han­dels­platt­for­men für Roh­stof­fe eta­bliert, auf denen Unter­neh­men Res­sour­cen suchen und zum Tausch anbie­ten kön­nen. Aktu­ell sind die­se Ange­bo­te noch über­schau­bar, aber es kann sich loh­nen, einen Blick dar­auf zu werfen.

Tipp 

Im Zwei­fels­fall ist es rat­sam, den Kon­takt mit Ihren Lie­fe­ran­ten zu suchen. Die­se wis­sen am bes­ten, wel­che Mate­ria­li­en wann und zu wel­chem Preis ver­füg­bar sind, und kön­nen Sie ent­spre­chend bera­ten. Mel­den Sie sich bei uns, falls Sie wei­te­re Infor­ma­tio­nen benötigen. 

Mit­tel­fris­tig sind Rah­men­ver­trä­ge attraktiv

Mit­tel­fris­tig betrach­tet haben Unter­neh­men etwas mehr Spiel­raum in der Beschaf­fung. Roh­stof­fe und Vor­pro­duk­te sind durch­aus ver­füg­bar, aber oft mit lan­gen Lie­fer­zei­ten ver­bun­den (aktu­ell ca. sechs Mona­te bei Gum­mi und Kunst­stoff). Wer jetzt schon weiß, wel­cher Mate­ri­al­be­darf in einem hal­ben Jahr zu erwar­ten ist, kann früh­zei­tig Bestel­lun­gen auf­ge­ben und sei­ne Roh­stoff­ver­sor­gung sichern.

Zu die­sem Zweck bie­ten sich Rah­men­ver­trä­ge an. In die­sen ver­pflich­tet sich der Anbie­ter, inner­halb eines ver­ein­bar­ten Zeit­raums eine bestimm­te Men­ge an Waren bereit­zu­stel­len. Gleich­zei­tig ver­pflich­tet sich der Kun­de zur Abnah­me die­ser Waren. Der Vor­teil ist für bei­de Sei­ten, dass sie sich lang­fris­tig auf die­se Inter­ak­ti­on ein­stel­len können.

Eine mög­li­che Lösung für die Roh­stoff­knapp­heit in der Pro­duk­ti­on besteht dar­in, Gum­mi- und Kunst­stoff­kom­po­nen­ten vor­zu­be­stel­len, um den mit­tel­fris­ti­gen Bedarf zu sichern. Pro­duk­te über län­ge­re Zeit vor­rä­tig zu hal­ten, setzt jedoch ent­spre­chen­de Lager­ka­pa­zi­tä­ten vor­aus, die mit Kos­ten ver­bun­den sind. Hier kom­men Rah­men­ver­trä­ge ins Spiel. Sie bie­ten bei­den Sei­ten recht­li­che Sicher­heit und ermög­li­chen dadurch, die Pro­duk­ti­on in die Zukunft zu verlagern.

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War­um loh­nen sich Rah­men­ver­trä­ge bei Rohstoffknappheit?

Ein Rah­men­ver­trag bie­tet bei­den Sei­ten recht­li­che Sicher­heit und ver­schafft ihnen genug Spiel­raum für eine effi­zi­en­te­re Aus­ar­bei­tung der Zusam­men­ar­beit. Der Anbie­ter kann sich dar­auf ein­stel­len, dass der Kun­de ihm eine bestimm­te Men­ge an Waren abnimmt, und sei­ne Pro­duk­ti­on ent­spre­chend pla­nen. Der Kun­de muss wie­der­um kei­ne zusätz­li­chen Lager­ka­pa­zi­tä­ten bereit­stel­len, denn die ter­min­ge­rech­te Lie­fe­rung sei­ner benö­tig­ten Kom­po­nen­ten ist ver­trag­lich festgelegt.

Die Vor­tei­le von Rah­men­ver­trä­gen im Kon­text der pan­de­mie­be­ding­ten Roh­stoff­knapp­heit sind:

Auf den letz­ten Punkt soll­ten Unter­neh­men sich jedoch nicht zu 100 Pro­zent ver­las­sen. Der Markt ist nach wie vor ange­spannt und wei­te­re Preis­an­stie­ge sind zu erwar­ten. Gum­mi- und Kunst­stoff­an­bie­ter kön­nen sich ange­sichts des­sen gezwun­gen sehen, ihre Prei­se eben­falls anzu­pas­sen, um kei­ne Ver­lus­te ein­zu­fah­ren. Im Zwei­fels­fall ist es rat­sam, eine Preis­gleit­klau­sel zu ver­ein­ba­ren, um die­sen Punkt ver­trag­lich abzusichern.

Fazit

Auf die aktu­el­le Roh­stoff­knapp­heit und die damit ver­bun­de­nen Lie­fer­eng­päs­se zu reagie­ren ist rela­tiv schwie­rig. Moder­ne Lie­fer­ket­ten sind nicht dafür gemacht, fle­xi­bel auf Stö­run­gen zu reagie­ren und bie­ten daher kei­ne inhä­ren­ten Gegen­maß­nah­men. Der bes­te Weg aus die­ser Lage ist, den Kon­takt mit Lie­fe­ran­ten zu inten­si­vie­ren und gemein­sam nach einer Lösung zu suchen. Schließ­lich sit­zen alle in einem Boot.

Wich­tig ist auch, aus der aktu­el­len Kri­se zu ler­nen. Die COVID-19-Pan­de­mie hat auf­ge­zeigt, wie fra­gil die Beschaf­fungs­stra­te­gien der moder­nen Wirt­schaft tat­säch­lich sind. Die momen­ta­nen Eng­päs­se soll­ten Anlass sein, das eige­ne Sup­ply Chain Manage­ment zu über­ar­bei­ten und gestärkt aus der Kri­se her­vor­zu­ge­hen. Vor­aus­schau­en­des Han­deln ist in die­sem Zusam­men­hang das ent­schei­den­de Stichwort.

White­pa­per:
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Mitarbeiter im Vertrieb Bastian Wondratschek

Autor: Bas­ti­an Wondratschek

Bas­ti­an Wond­rat­schek ist seit 2019 Teil von Jägers Ver­triebs­team. Der gelern­te Groß- und Außen­han­dels­kauf­mann kommt ursprüng­lich aus der Stahl­in­dus­trie und ist am Stand­ort Stutt­gart für die Kun­den­be­treu­ung im Außen­dienst tätig. 
Standortleitung Hannover Mike Sabionski

Autor: Mike Oli­ver Sabionski

Mike Sabi­on­ski lei­tet den zen­tra­len Jäger-Stand­ort in Han­no­ver. Der stu­dier­te Maschi­nen­bau­er mit den Schwer­punk­ten BWL und Kon­struk­ti­on ist bereits seit mehr als 30 Jah­ren im Geschäft. 

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