JÄGER Busi­ness Blog

So sichern Sie Ihre Ersatz­teil­ver­sor­gung
im Kunst­stoff- und Gummibereich

25.02.2023   |  Chris­toph Gähler

Fließband für Personalcomputer, Herstellungsprozess.

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Den Start of Pro­duc­tion sichern

Erfah­ren Sie, wel­che Fak­to­ren Ihren SOP beeinflussen!

Jedes Bau­teil nutzt sich mit der Zeit ab. Das liegt in der Natur der Sache. Der rei­bungs­lo­se Betrieb einer Maschi­ne setzt daher vor­aus, dass jeder­zeit Ersatz­tei­le für alle wich­ti­gen Kom­po­nen­ten zur Ver­fü­gung ste­hen. In eini­gen Bran­chen ist es üblich, die Ersatz­teil­ver­sor­gung im Rah­men von After-Sales-Ver­ein­ba­run­gen ver­trag­lich fest­zu­le­gen. Im Gum­mi- und Kunst­stoff­be­reich ist das jedoch nicht der Regel­fall. Vie­le Unter­neh­men ver­las­sen sich dar­auf, im Zwei­fels­fall schnell Nach­schub von ihren Lie­fe­ran­ten zu erhal­ten. Doch hier lau­ern eini­ge Fallstricke.

Wie ist die Situation?

Neben Stan­dard­mi­schun­gen wer­den im Gum­mi- und Kunst­stoff­be­reich auch Spe­zi­al­mi­schun­gen ver­wen­det, um den jewei­li­gen Ein­satz­an­for­de­run­gen opti­mal zu ent­spre­chen. Dem­zu­fol­ge kön­nen Unter­neh­men, unab­hän­gig von der Geo­me­trie des Bau­teils, nicht immer ein­fach Kata­log­wa­re von einem belie­bi­gen Lie­fe­ran­ten bestel­len. Für die Ersatz­teil­ver­sor­gung kann dies eine Her­aus­for­de­rung darstellen.

Wenn eine Gum­mi- oder Kunst­stoff­kom­po­nen­te aus­fällt oder aus­zu­fal­len droht, soll­te sich das Unter­neh­men zunächst eini­ge Fra­gen stel­len, um den best­mög­li­chen Lösungs­an­satz zu identifizieren:

Sind ein­satz­fä­hi­ge Ersatz­tei­le im eige­nen Lager oder dem eines Lie­fe­ran­ten vorrätig?

Je nach che­mi­scher Zusam­men­set­zung las­sen sich Gum­mi- und Kunst­stoff­tei­le nicht immer unbe­grenzt lagern. Durch die Dau­er der Lage­rung und äuße­re Ein­flüs­se wie Tem­pe­ra­tur­schwan­kun­gen und ungüns­ti­ge Licht­ver­hält­nis­se kön­nen Tei­le sprö­de wer­den, einen Teil ihrer Mate­ri­al­ei­gen­schaf­ten ver­lie­ren und somit unbrauch­bar werden.

Zudem spielt die Kapi­tal­bin­dung eine wich­ti­ge Rol­le, denn sowohl Kun­de als auch Anbie­ter ver­su­chen, ihre Lager­be­stän­de aus Kos­ten­grün­den gering zu hal­ten. Gera­de bei lang­le­bi­gen Maschi­nen ist die Ersatz­teil­ver­sor­gung aus Lager­be­stän­den daher nur begrenzt durchführbar.

Exis­tiert der Lie­fe­rant noch?

Wenn der ursprüng­li­che Lie­fe­rant des Bau­teils nicht mehr zur Ver­fü­gung steht, muss der Ein­kauf nach einer Alter­na­ti­ve suchen. Dies kann pro­ble­ma­tisch sein, wenn es sich bei der Kom­po­nen­te um eine Indi­vi­du­al­ent­wick­lung bzw. um werk­zeug­ge­bun­de­ne Bau­tei­le han­delt. Je nach Beschaf­fen­heit bzw. Geo­me­trie des benö­tig­ten Ersatz­teils kann unter Umstän­den ein neu­es Werk­zeug erfor­der­lich sein, wenn das Alte nicht mehr ver­füg­bar ist. Die Ver­füg­bar­keit der bis dato bei dem Bau­teil ver­wen­de­ten Mischung darf eben­falls nicht aus dem Blick­win­kel gera­ten. Ggfs. sind Alter­na­tiv­mi­schun­gen oder Sub­sti­tu­te zu prüfen. 

Ist für die Pro­duk­ti­on des Bau­teils ein Werk­zeug nötig?

Ersatz­tei­le sind schwie­ri­ger zu beschaf­fen, wenn die Her­stel­lung der Kom­po­nen­te ein Werk­zeug vor­aus­setzt. Grund dafür ist, dass der Werk­zeug­bau mit Kos­ten ver­bun­den ist, die sich über die Stück­zah­len amor­ti­sie­ren. Je nach Eigen­tums­ver­hält­nis ver­fügt der Auf­trags­ge­ber bei­spiels­wei­se ledig­lich über das Nut­zungs­recht am Werk­zeug. In die­sem Fall kann eine kurz­fris­ti­ge Ver­la­ge­rung des Werk­zeugs zu einem ande­ren Lie­fe­ran­ten durch­aus Schwie­rig­kei­ten bereiten. 

Ist das Werk­zeug noch einsatzbereit?

Bei werk­zeug­ge­bun­de­nen Bau­tei­len stellt sich die Fra­ge, ob eine Nach­pro­duk­ti­on tech­nisch mög­lich ist. Es kann nicht gene­rell aus­ge­schlos­sen wer­den, dass Lie­fe­ran­ten Werk­zeu­ge, die sich in Ihrem Voll­ei­gen­tum befin­den und die über Deka­den nicht benutzt wur­den, aus wirt­schaft­li­chen oder betriebs­po­li­ti­schen Grün­den ent­sor­gen bzw. verschrotten.

Auch Ver­schlei­ß­ef­fek­te spie­len eine Rol­le, etwa durch Rost, Kor­ro­si­on oder mecha­ni­sche Abnut­zung. Liegt der Bau des Werk­zeugs lan­ge zurück, ist zudem nicht sicher, ob es mit aktu­el­len Maschi­nen kom­pa­ti­bel ist. Even­tu­ell muss es ange­passt oder neu her­ge­stellt werden.

Ist das Mate­ri­al noch verfügbar?

Die Mate­ri­al­wis­sen­schaft macht stän­dig Fort­schrit­te. Bei älte­ren Bau­tei­len ist daher unge­wiss, ob der ursprüng­lich ver­wen­de­te Werk­stoff mitt­ler­wei­le obso­let ist. Unter Umstän­den ist es not­wen­dig, ein alter­na­ti­ves Mate­ri­al mit ähn­li­chen Eigen­schaf­ten aus­zu­wäh­len. Abhän­gig von der Situa­ti­on kann dies eini­ge Zeit in Anspruch neh­men; ins­be­son­de­re, wenn eine erneu­te Abmus­te­rung und Frei­ga­be nötig ist.

Logistikzentrum mit Hochregalen

Lager­hal­le mit Ersatzteilen

Kos­ten-Nut­zen-Ana­ly­se durchführen

Die Situa­ti­ons­ana­ly­se bie­tet einen Über­blick dar­über, mit wel­chen Her­aus­for­de­run­gen die Beschaf­fung von Ersatz­tei­len ver­bun­den ist. Der nächs­te Schritt besteht dar­in, den Auf­wand mit dem zu erwar­ten­den Mehr­wert zu vergleichen.

Sind auf Lie­fe­ran­ten­sei­te nach wie vor Equip­ment und Mate­ria­li­en vor­han­den, kann der Ein­kauf das Bau­teil ein­fach nach­be­stel­len. Andern­falls muss das Unter­neh­men ana­ly­sie­ren, wel­che Kos­ten dadurch ent­ste­hen, die Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten wie­der hochzufahren.

Wenn das Mate­ri­al nicht mehr auf dem Markt erhält­lich ist, steht eine Neu­aus­wahl an. Die­ser Pro­zess ist zwar mit Kos­ten ver­bun­den, er bie­tet jedoch gleich­zei­tig die Chan­ce, Opti­mie­rungs­po­ten­zia­le zu realisieren.

Älte­re Werk­stof­fe kön­nen unter Umstän­den nicht mehr den gel­ten­den Vor­ga­ben und Anfor­de­run­gen oder dem aktu­el­len Stand der Tech­nik ent­spre­chen. Sie durch moder­ne­re Vari­an­ten zu erset­zen, kann eine Kom­po­nen­te leich­ter, wider­stands­fä­hi­ger und unemp­find­li­cher gegen Umwelt­ein­flüs­se machen. Eine sol­che Mate­ri­al­än­de­rung setzt natür­lich vor­aus, dass das Werk­zeug mit dem neu­en Werk­stoff kom­pa­ti­bel ist.

Ist das Werk­zeug beschä­digt oder mit aktu­el­len Maschi­nen inkom­pa­ti­bel, muss sich das Unter­neh­men ent­schei­den, ob es die Anpas­sungs­kos­ten in Kauf neh­men möch­te. Einer­seits stei­gen dadurch die Stück­kos­ten des Ersatz­teils. Ande­rer­seits ist eine Neu­ent­wick­lung des Bau­teils erheb­lich teu­rer, birgt jedoch eben­falls Opti­mie­rungs­mög­lich­kei­ten. Sowohl der Werk­stoff als auch die Geo­me­trie kön­nen bei die­ser Gele­gen­heit auf den Prüf­stand gestellt wer­den.

Zur Info: 

In eini­gen Fäl­len ist es mög­lich, Ersatz­tei­le und auch Werk­zeu­ge für Kleinst­se­ri­en per 3D-Druck her­zu­stel­len. Aller­dings eig­nen sich nicht alle Mate­ria­li­en und Geo­me­trien für die­ses Ver­fah­ren. Fra­gen Sie Ihren Pro­duk­ti­ons­part­ner, ob der 3D-Druck für Sie in Fra­ge kommt! 

Eine wei­te­re Opti­on für den Kun­den besteht dar­in, den Pro­duk­ti­ons­pro­zess zu über­den­ken, oder die unter Umstän­den ver­al­te­te Maschi­ne, auch unter dem Gesichts­punkt der Effi­zi­enz, aus­zu­tau­schen. Dies ist gera­de bei älte­rem Equip­ment sinn­voll, des­sen Ersatz­tei­le Indi­vi­du­al­ent­wick­lun­gen sind. Wenn die Alter­na­ti­ve dar­in besteht, ein Bau­teil neu aus­zu­schrei­ben, kann es güns­ti­ger sein, auf eine neue Maschi­ne umzu­stei­gen, deren Ersatz­tei­le leich­ter zu beschaf­fen sind. Die­se Ent­schei­dung ist aller­dings situationsabhängig. 

Lie­fe­ran­ten­ma­nage­ment optimieren

Dreh- und Angel­punkt einer robus­ten Ersatz­teil­ver­sor­gung ist das Sup­ply Chain Manage­ment. Hier ist vor allem trans­pa­ren­te Kom­mu­ni­ka­ti­on essen­zi­ell. Sobald sich der Lager­be­stand eines Bau­teils dem Ende zuneigt, soll­te das Unter­neh­men sei­ne Zulie­fe­rer infor­mie­ren und Ersatz­tei­le ordern. Gleich­zei­tig soll­te der Kun­de Bescheid wis­sen, sobald sich Pro­ble­me auf Lie­fe­ran­ten­sei­te anbahnen.

Red­un­dan­zen inner­halb des Lie­fe­ran­ten­netz­werks auf­zu­bau­en ist sinn­voll, aber nicht immer prak­ti­ka­bel. Nicht-werk­zeug­ge­bun­de­ne Kom­po­nen­ten kön­nen zum Bei­spiel pro­blem­los von meh­re­ren Anbie­tern par­al­lel bezo­gen wer­den, denn das zu ihrer Her­stel­lung benö­tig­te Equip­ment ist weit verbreitet.

Bei werk­zeug­ge­bun­de­nen Bau­tei­len sieht die Sache jedoch anders aus. Da Inves­ti­tio­nen in Werk­zeu­ge mit hohen Kos­ten ver­bun­den sind, wird je Bau­teil nur ein Werk­zeug in Auf­trag gege­ben. Daher kön­nen Unter­neh­men ihre Ersatz­tei­le auch nur von einem ein­zi­gen Lie­fe­ran­ten bezie­hen. In sol­chen Fäl­len setzt der Ein­kauf meist auf eine ver­trag­li­che Lösung, um die Ver­sor­gung mit Ersatz­tei­len sicher­zu­stel­len (z. B. eine After-Sales-Ver­ein­ba­rung oder ein Rah­men­ver­trag).

Falls ein Zulie­fe­rer von werk­zeug­ge­bun­de­nen Ersatz­tei­len ankün­digt, den Betrieb ein­zu­stel­len, soll­te sich das Unter­neh­men schnellst­mög­lich die Werk­zeu­ge für sei­ne Bau­tei­le sichern. Ist das Werk­zeug im Besitz des Kun­den, soll­te er es zurück­zie­hen und einem ande­ren Lie­fe­ran­ten zur Ver­fü­gung stel­len. Gehört das Werk­zeug dem Anbie­ter, emp­fiehlt es sich, es auf­zu­kau­fen, um Ersatz­tei­le wei­ter­hin pro­du­zie­ren zu können.

Fazit

Der gerin­ge Stan­dar­di­sie­rungs­grad und die Abhän­gig­keit von Werk­zeu­gen machen die Ersatz­teil­ver­sor­gung im Gum­mi- und Kunst­stoff­be­reich zu einer Her­aus­for­de­rung. Vor­aus­schau­en­des Lie­fe­ran­ten­ma­nage­ment ist daher essen­zi­ell. Unter­neh­men soll­ten immer Blick hal­ten, wo in Zukunft Bedarf besteht und wie sich die­ser decken lässt. Falls sich ein Ersatz­teil nicht mehr ohne Wei­te­res nach­be­stel­len lässt, gehö­ren Mate­ri­al, Geo­me­trie und Pro­zes­se auf den Prüf­stand. Bei die­ser Gele­gen­heit offen­ba­ren sich oft unge­ahn­te Opti­mie­rungs­po­ten­zia­le, die sich mit ver­gleichs­wei­se wenig Auf­wand schöp­fen lassen. 

White­pa­per:
Den Start of Pro­duc­tion sichern

Erfah­ren Sie, wel­che Fak­to­ren Ihren SOP beeinflussen! 

Autor: Chris­toph Gähler

Chris­toph Gäh­ler ist als Grup­pen­lei­ter im Ver­triebs­in­nen­dienst bei Jäger tätig. Der stu­dier­te Betriebs­wirt (Schwer­punkt Ver­trieb und Mar­ke­ting) betreut und unter­stützt pro­du­zie­ren­de Unter­neh­men seit Juli 2017 beim Ein­kauf von Gum­mi- und Kunststoffkomponenten.

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