JÄGER Busi­ness Blog

Ukrai­ne­kri­se ver­schärft aktu­ell die

Roh­stoff­knapp­heit in Deutschland

27.05.2022   |   Oksa­na Holovey

WHITEPAPER

Gum­mi und Kunst­stoff in der moder­nen Landtechnik 

Erfah­ren Sie, wie die Land­tech­nik die aktu­el­len Her­aus­for­de­run­gen meis­ten kann

Abseits der furcht­ba­ren huma­ni­tä­ren Fol­gen hat der Krieg in der Ukrai­ne auch die glo­ba­len Lie­fer­ket­ten schwer getrof­fen. In den umkämpf­ten Gebie­ten sind die Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten beein­träch­tigt, dazu behin­dern poli­ti­sche Sank­tio­nen den Han­del mit rus­si­schen Lie­fe­ran­ten. Dies ver­schärft die anhal­ten­de Roh­stoff­knapp­heit und stellt das pro­du­zie­ren­de Gewer­be vor Pro­ble­me. Auch die kunst­stoff- und kau­tschuk­ver­ar­bei­ten­den Indus­trie­zwei­ge sind betroffen.

Die Fra­ge ist: Wie soll­ten Unter­neh­men auf die­sen Man­gel an Roh­stof­fen reagie­ren und wel­cher Weg führt aus der Krise?

Die Fol­gen des Kon­flikts für gum­mi­ver­ar­bei­ten­de Unternehmen

Der Ukrai­ne­kon­flikt wirkt sich nicht nur auf die Pro­duk­ti­on von Roh­öl, Erd­gas, Stahl und Wei­zen aus. Russ­land gehört auch zu den wich­tigs­ten Lie­fe­ran­ten der glo­ba­len Kau­tschuk­in­dus­trie. Der Markt­an­teil rus­si­scher Zulie­fe­rer für Poly­bu­ta­di­en (BR) und Iso­bu­ten-Iso­pren-Kau­tschuk (IIR) liegt jeweils im zwei­stel­li­gen Bereich. 2021 haben rus­si­sche Unter­neh­men laut sta­tis­ti­schen Daten von Euro­stat ca. 550.000 Ton­nen Ruß und 240.000 Ton­nen Syn­the­se­kau­tschuk in die Euro­päi­sche Uni­on geliefert.

Sol­che Men­gen an Roh­stof­fen kann der Ein­kauf nicht über Nacht erset­zen. Wenn die Lie­fer­be­zie­hun­gen dau­er­haft unter­bro­chen wer­den, sind Lie­fer­eng­päs­se und deut­li­che Preis­stei­ge­run­gen zu erwarten.

Zugleich gehen die Ener­gie­kos­ten in die Höhe, da Russ­land und die Ukrai­ne bis­her einen gro­ßen Teil der euro­päi­schen Nach­fra­ge nach Erd­öl- und Erd­gas bedient haben. Die west­li­chen Sank­tio­nen und die Schä­den an der ukrai­ni­schen Infra­struk­tur schrän­ken die­se Ver­sor­gung deut­lich ein. Alter­na­ti­ve Lie­fer­län­der wie die USA, Nor­we­gen oder Katar kön­nen die­se Lücken nur bedingt füllen.

Die resul­tie­ren­den Preis­an­stie­ge tref­fen die ener­gie­in­ten­si­ve Kau­tschuk­in­dus­trie hart und trei­ben die Pro­duk­ti­ons­kos­ten in die Höhe. Auch Pro­duk­ti­ons­aus­fäl­le sind nicht aus­zu­schlie­ßen, wenn Preis­stei­ge­run­gen die Wirt­schaft­lich­keit gefähr­den und pro­duk­ti­ons­re­le­van­te Roh­stof­fe fehlen.

Der Krieg ver­schärft die aktu­el­le Rohstoffknappheit

Die gum­mi­ver­ar­bei­ten­de Indus­trie hat sich noch nicht voll­stän­dig von den pan­de­mie­be­ding­ten Roh­stof­feng­päs­sen erholt. Die Kri­se in Ost­eu­ro­pa heizt die Lage auf dem Roh­stoff­markt wei­ter an, da die Lie­fer­be­zie­hun­gen zu ukrai­ni­schen und rus­si­schen Han­dels­part­nern abge­schnit­ten sind.

Zudem hat sich die per­spek­ti­vi­sche Ent­wick­lung geän­dert. Bis­her war die Roh­stoff­knapp­heit das Resul­tat einer Imba­lan­ce zwi­schen Ange­bot und Nach­fra­ge, bedingt durch das Nach­fra­ge­hoch einer glo­ba­len Wirt­schaft, die sich von den finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen einer Pan­de­mie erholt. In einer sol­chen Situa­ti­on kön­nen Lie­fe­ran­ten die Auf­trä­ge ihrer Kun­den durch­aus bedie­nen, jedoch nicht im ver­ein­bar­ten Zeit­rah­men. Es han­delt sich um Lie­fer­ver­zö­ge­run­gen, nicht um Aus­fäl­le. Die bestell­ten Roh­stof­fe wer­den ankom­men, sobald die Lie­fer­eng­päs­se beho­ben sind.

Bei den aktu­el­len, geo­po­li­tisch beding­ten Eng­päs­sen ist dies nicht zwangs­läu­fig der Fall. Die Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten rus­si­scher und ukrai­ni­scher Lie­fe­ran­ten sind bis auf Wei­te­res nicht ver­füg­bar. Es wird Jah­re dau­ern, Wirt­schaft und Infra­struk­tur der Ukrai­ne wie­der auf­zu­bau­en, und wie lan­ge die Sank­tio­nen der west­li­chen Indus­trie­län­der gegen Russ­land andau­ern wer­den, ist unklar. Dies ist kei­ne tem­po­rä­re Erhö­hung der Lie­fer­zei­ten. Die Lie­fer­be­zie­hun­gen wur­den lang­fris­tig geschä­digt, zumin­dest bis sich die Lage irgend­wann wie­der stabilisiert.

Weit­rei­chen­de Maß­nah­men sind notwendig

Kurz­fris­tig betrach­tet ent­spricht die aktu­el­le Situa­ti­on dem bis­he­ri­gen Roh­stoff­man­gel im Rah­men der Pan­de­mie. Daher sind auch die Gegen­maß­nah­men iden­tisch: alter­na­ti­ve Werk­stof­fe eva­lu­ie­ren, Koope­ra­tio­nen mit ande­ren Unter­neh­men suchen etc. Ent­spre­chen­de Stra­te­gien haben wir bereits in einem ande­ren Blog­bei­trag beschrieben.

Mit­tel- und lang­fris­tig zei­gen sich jedoch Unter­schie­de. Der Krieg in Ost­eu­ro­pa ent­spricht der Eska­la­ti­on eines poli­ti­schen Trends, der sich schon seit Jah­ren abzeich­net. Immer mehr Län­der rich­ten ihre Han­dels- und Res­sour­cen­po­li­tik an natio­na­len Inter­es­sen aus und set­zen sie als Druck­mit­tel in geo­po­li­ti­schen Ver­hand­lun­gen ein. Es ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass inter­na­tio­na­le Han­dels­be­zie­hun­gen in Zukunft häu­fi­ger von poli­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen betrof­fen sind. Für Unter­neh­men bedeu­tet dies vor allem, dass sie ihre Lie­fer­ket­ten lang­fris­tig umbau­en soll­ten, um ihren Res­sour­cen­be­darf auch in Kri­sen­zei­ten sichern zu können.

Logis­tik­zen­trum mit gerin­gem Lagerbestand

Wie kom­men gum­mi­ver­ar­bei­ten­de Unter­neh­men wei­ter­hin an Rohstoffe?

Zum einen emp­fiehlt sich eine Kom­ple­xi­täts­re­du­zie­rung der Sup­ply Chain, um den Effekt exter­ner Ein­fluss­fak­to­ren (Straf­zöl­le, Sank­tio­nen etc.) zu mil­dern. Bei­spiels­wei­se soll­ten Entscheider:innen ihre bis­he­ri­gen Just-in-Time-Stra­te­gien über­den­ken und das Lager zumin­dest teil­wei­se von der Stra­ße holen. Kri­ti­sche Kom­po­nen­ten wie Kau­tschuk­mi­schun­gen oder Vor­pro­duk­te vor­rä­tig zu hal­ten kann gum­mi­ver­ar­bei­ten­den Unter­neh­men die Zeit geben, in Kri­sen­si­tua­tio­nen Gegen­maß­nah­men zu ergrei­fen, ohne Pro­duk­ti­ons­aus­fäl­le in Kauf neh­men zu müssen.

Auch ein Umbau der Lie­fer­ket­ten, mit einem stär­ke­ren Fokus auf mit­tel- und west­eu­ro­päi­sche Zulie­fe­rer, ist rat­sam. Loka­le Part­ner kön­nen in Kri­sen­zei­ten schnel­ler reagie­ren, da ihre Trans­port­we­ge kür­zer sind und ihre Waren kaum Gren­zen oder Eng­päs­se pas­sie­ren müs­sen. Zudem besteht inner­halb der EU ein gerin­ge­res Risi­ko für Han­dels­kon­flik­te, die Lie­fer­be­zie­hun­gen beein­träch­ti­gen könnten.

Par­al­lel dazu soll­ten Unter­neh­men geo­po­li­ti­sche Ent­wick­lun­gen stär­ker beob­ach­ten. Aus­ein­an­der­set­zun­gen und Kri­sen zeich­nen sich oft lang­fris­tig ab und geben Entscheider:innen somit die Gele­gen­heit, recht­zei­tig zu reagie­ren. Dies erfor­dert aller­dings ein prä­zi­ses Moni­to­ring der poli­ti­schen Situa­ti­on in den Län­dern, mit denen die Orga­ni­sa­ti­on Han­dels­be­zie­hun­gen pflegt, sowie aktu­el­le Infor­ma­tio­nen über den Stand der diplo­ma­ti­schen Bezie­hun­gen und poten­zi­el­le Ursa­chen für Konflikte.

Auch eine Diver­si­fi­zie­rung der Lie­fer­ket­te ist emp­feh­lens­wert, ins­be­son­de­re was die geo­gra­fi­sche Ver­tei­lung betrifft. Es lohnt sich, Zulie­fe­rer in unter­schied­li­chen Län­dern an der Hand zu haben, um in Kri­sen­si­tua­tio­nen auf ande­re, nichts­ank­tio­nier­te Han­dels­part­ner aus­wei­chen zu kön­nen. Dies wider­spricht zwar dem Trend zur Lie­fe­ran­ten­kon­so­li­die­rung in der Indus­trie, schafft jedoch Sta­bi­li­tät. Im Zwei­fels­fall müs­sen Unter­neh­men bei­de Sei­ten gegen­ein­an­der abwägen.

Fazit

Der Krieg in der Ukrai­ne und die Sank­tio­nen gegen Russ­land haben auch die kau­tschuk­ver­ar­bei­ten­den Indus­trien schwer getrof­fen. Zahl­rei­che Lie­fer­ket­ten sind abge­schnit­ten und es ist unklar, ob und wann sich die Situa­ti­on wie­der nor­ma­li­siert. Dies ver­schärft die pan­de­mie­be­ding­te Roh­stoff­knapp­heit und bringt Indus­trie­be­trie­be durch stei­gen­de Roh­stoff­prei­se in die Bredouille.

Aktu­ell zei­gen sich immer mehr die Schwä­chen kom­ple­xer, inter­na­tio­na­ler Lie­fe­ran­ten­struk­tu­ren, die schon seit lan­ger Zeit die Fer­ti­gungs­in­dus­trien prä­gen. In die­sem Zusam­men­hang soll­ten Unter­neh­men sorg­fäl­tig abwä­gen, ob die Effi­zi­enz­vor­tei­le einer Just-in-Time-Stra­te­gie das stei­gen­de Risi­ko von Lie­fer­eng­päs­sen und Pro­duk­ti­ons­aus­fäl­len wert sind. Die­ses The­ma ist etwas, das glo­ba­le Ein­kaufs­stra­te­gien in Zukunft wohl häu­fi­ger beein­flus­sen wird.

White­pa­per:
Gum­mi und Kunst­stoff in der moder­nen Landtechnik

Erfah­ren Sie, wie die Land­tech­nik die aktu­el­len Her­aus­for­de­run­gen meis­ten kann

Mitarbeiterin im Vertrieb Oksana Holovey

Autorin: Oksa­na Holovey

Oksa­na Holovey hat an der Lem­ber­ger Wirt­schafts­aka­de­mie in Lviv (Ukrai­ne) BWL mit dem Schwer­punkt Pro­duk­t­her­stel­lungs­tech­no­lo­gie und Com­mer­ce stu­diert. Sie ist seit 2019 bei Jäger im Ver­triebs­au­ßen­dienst Export für den Stand­ort Han­no­ver tätig.

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